HETAERA BLOG #9: Lehrstück zum Frühstück

HETAERA BLOG #9: Lehrstück zum Frühstück

„Ich sehe, sie haben die Agentur gewechselt“

„Sie, Herr …? Sind Sie etwa auf Freiersfüßen?“

„Ach, von wegen Freiersfüße … das wäre ja schön… aber bei Hetaera ist mir ihr Bild untergekommen.“

„Ich falle ja von der Oberweite her durch ihr Beuteschema glatt durch. Schon in der Uni waren Sie bekannt als ein notorischer Jäger nach Busenwundern bei den Erstsemestern. Der Campus liegt ja nahe bei Ihrem Büro.“

„Da schätzen Sie mich falsch ein. Ich bin nicht mutig genug, so etwas zu machen. Aber ich spiele hin und wieder mit dem Gedanken – daher meine Information …allein, am Ende fehlt die Entschlossenheit.“

„Sie Ärmster. Soll ich Ihnen helfen?“

„Ach, Sie verspotten mich…“

„Sie unterschätzen mein großes Herz.“

„Jedenfalls unterschätze ich nicht Ihren Hintern. Sie wissen ja nicht, wie oft ich den in Gedanken vollgespritzt habe.“

 

 

 

Der Herr, mit dem ich diesen Briefwechsel hatte, ist ein prominenter Intellektueller, den ich hier nicht outen werde. Auch, wenn er kein Kunde von mir ist, und ich darum streng genommen nicht zur Diskretion verpflichtet.

#weinstein macht #feminist

Heute zum Frühstück sah ich ein Interview mit ihm, in dem er erklärte, er sei Feminist. Offiziell! Er tut das in moralischer Empörung über Harvey Weinstein, dem mutmaßlich größten Wichser Hollywoods. Er sprach von einem moralischen Lehrstück. Frühstück, da denke ich an Rühreier, also eher an Rührstück statt Lehrstück, und bei Rühreiern denke ich an Sperma – eine Berufskrankheit, bitte um Verzeihung. Ich gebe zu: ich bin vorwiegend narzisstisch gekränkt, weil „mein“ Wichser nicht mein Kunde sein wollte. Nicht bezahlen wollte für seinen Orgasmus auf meinem virtuellen Hintern. Als High-Class-Escort weiß ich ja, dass mich die meisten Leute, die meine Bilder betrachten, nicht persönlich kennenlernen. Doch manche Fälle gehen über stille Bewunderung hinaus. Das sind die, wo mir die „Fans“ von den schönen Erlebnissen, die sie mit meinen Fotos hatten, unaufgefordert berichten.

Jedenfalls hatte es einen  interessanten Beigeschmack für mich, wenn er Dinge sagte wie: Gleichberechtigung von Frauen funktioniert nur, wenn die Männer auch mitmachen.

Und mitmachen tut er! Der neue „offizielle“ Feminist findet es gut, dass „wir jetzt endlich darüber reden“.  Und er endlich auch mal sagen kann, wie ekelhaft er es findet, wenn alte Herren in einem Arbeitsumfeld über anwesende Frauen reden.  Über Frauen zu reden mache sie zum Objekt. Eklig! Sleezy!

Das hätte auch nichts mit übersteigerter Empfindlichkeit zu tun. Den Einwand, dass Menschen ja häufig auch  über einander sprechen, auch Frauen über Männer, auch über die Körper von Männern, wischte der neue offizielle Feminist mit Bravour vom Tisch: Männer hätten das auszuhalten, weil sie ja schließlich nicht im Schnitt 20% weniger verdienen, nicht systematisch benachteiligt und in Führungspositionen dramatisch unterrepräsentiert sind. Und selbst, wenn die Frauen, deren #aufschrei wir hören – Hollywood-Millionärinnen, Staatssekretärinnen, Celebrities – heute wohl mehr Macht haben als so mancher einsamer Wichser auf Facebook, darf man ihnen die wohlverdiente Opferrolle nicht aberkennen, denn das wäre Inversion und besonders fies.  Und ich finde, irgendeine erfolgreiche Karriere-Feministin sollte diesem Musterschüler des Feminismus endlich eine Eins geben.

 

 

#metoo? Not me.

„Mein“ Wichser, hätte durchaus über das Kleingeld verfügt, um nicht wichsen zu müssen. Doch leider ist es so, dass es auf Geld nicht ankam. Vielmehr verschafft ein Wichser sich eine köstlichere Freude, als die, die man für Geld kaufen kann. Das Moment der Überraschung und der Unfreiwilligkeit, der Kitzel, sich etwas zu nehmen, was ihnen nicht freiwillig gegeben wird. Etwas schon genommen zu haben, bevor es einem wohlmöglich angeboten wird, im Rahmen eines Deals. Menschen wie Weinstein sind wie Kleinkinder, sie wollen das, was ihnen gefällt, unverzüglich haben und verstehen es nicht, wenn man es ihnen verweigert oder eine Gegenleistung erwartet. Alle schönen Frauen müssen verfügbar sein wie gratis-Apps, und zugleich wird Begeisterung vorausgesetzt für das Präsentieren der eigenen Geilheit. Auch diese ähnlich wie bei einem Kleinkind, das stolz ist auf den selbstproduzierten Inhalt im Töpfchen. Leider sind nicht alle Frauen bereit, die Mutterrolle für die ganze Menschheit zu übernehmen. Schon gar nicht für längst erwachsene Männer, die sich nicht von der Hoffnung trennen können, dass es ihnen irgendwann im Leben wieder so gut gehen möge wie damals an Mamas Titties.

Aber: vor solchen Männern müssen Frauen doch keine Angst haben. Sie wollen doch nur spielen. Nur wichsen, mehr geht bei ihnen nicht. Denn das Wichsen ist eine überaus vereinnahmende Tätigkeit, eine verschlingende Sucht. Sie lässt dem, der sich ihr ergibt, kaum Kraft für irgendetwas über das Wichsen hinaus. Zu viel Angst. Zu viel Kokain. – Ja, ich weiß ziemlich genau, dass Kokain oft eine Rolle spielt. Ganz egal, ob mich der Wichser und für mein Wichs-Vorlage-Sein bezahlt, oder eben nicht. Ich kenne ihn gut, diesen stieren Blick roter Augen, die verkrampfte Hand am weichen, nicht mehr penetrationsfähigen Glied. Kokain sorgt für die Hemmungslosigkeit des Wichsers, gibt ihm das Gefühl, dass er in seinem Exhibitionismus irgendwie toll und aufregend ist – während es ihm auf Dauer so sehr die Gefäße zerstört, dass mehr als Wichsen auch nicht mehr möglich ist, mit dieser wabbligen, tröpfelnden Schlaffschaft. Drogen sind schlecht. Sie machen Männer zu Wichsern.

Auch Weinstein: ein Wichser. Hat er eigentlich je eine Frau erfolgreich penetriert? Wenn ja, würde man doch davon hören? Doch es scheint sich bei ihm ja wirklich um den klassischen Fall eines Wichsers zu handeln: Was er tat, war Frauen schauen, sich selbst berühren und die jeweilige Frau das wissen lassen.  Etwas anders ist mir mit „meinem“ Wichser auch nicht passiert. Soll ich jetzt aufschreien, #metoo? Bitte nicht. Wie überzeugend währe eine Kurtisane, die sich über sexuelle Belästigung beschwert? Wichser stehlen unsere Zeit und Geduld. Aber, wie das folgende Beispiel zeigt, bleibt zumindest ein Trost: Wichser sind,  in den allermeisten Fällen: bloß Wichser. Völlig harmlos, wenn man es nicht persönlich nimmt. Und wenn die Karriere nicht davon abhängt.

 

 

Ein Lehrstück in (Anti-) Opportunismus

„Mein“ Wichser bezeichnet Weinstein dennoch als Vergewaltiger – vielleicht hat er mehr Einblick in den Fall und die Aktenlage, immerhin ist Weinstein noch nicht rechtskräftig verurteilt. Ihn öffentlich an den Pranger zu stellen, noch vor dem Urteil der Gerichte, sei nicht etwa Lynchjustiz, sondern ein Lehrstück in Anti-Opportunismus.

Und zugleich rügt er solche Heuchler, die sich als Feministen bezeichnen, um sich öffentlich rein zu waschen. Gut, dass er selbst weit davon entfernt ist.

Vielleicht war die Absage „meines“ Wichsers an ein echtes Date mit mir ja der Beginn einer tiefgreifenden gedanklichen Entwicklung, mit dem Wichsen innezuhalten, weil Frauen schließlich immer noch nicht gleich bezahlt werden? Und ich warte gespannt, ob er das schreibt, als selbstkritischen Beitrag zum Thema #HowIWillChange.

 

 

HETAERA BLOG #8:Und dann auch noch so klug

HETAERA BLOG #8:Und dann auch noch so klug

 

 

Die Diskussion um die Staatssekretärin Sawsan Chebli beweist: Komplimente sind eine vertrackte Sache. Sie können entzücken, trösten, den Tag retten, aber sie können auch auch skeptisch machen oder gar heimtückisch verwunden. Nietzsche schrieb sinngemäß, gegen Kritik könne man sich zur Wehr setzen, aber gegen Lob sei man machtlos. Und oft lässt ein gut gemeintes Kompliment tiefer blicken als jeder verbale Angriff. Beides sagt weniger über den aus, der damit gemeint ist, als über den, der sie macht.

So, wie wenn ein jovialer Senior aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft oder Politik öffentlich darüber staunt, wie schön die junge Frau Vorgesetzte doch sei. Dann ist das Geschrei natürlich groß. Als käme es ihm zu, sie zu bewerten! Und gar nach ihrem Äußeren!

Liebe Geschlechtsgenossinnen, die ihr euch in Hosenanzügen an den Fleischtöpfen der Macht drängelt: behandelt eure Gegner mit Charme, behaltet dabei Anmut und Würde. Euer Feind ist in dieser Welt jeder, der euren Platz will – und nicht „die Männer“. Klar bestehen die Klüngel derjenigen, die ihre Macht behalten wollen, aus alten weißen Herren. Klar sollte man als Frau für die Frauenquote sein. Doch beim Kampf um Macht und Einfluss geht es doch nicht um das Geschlecht – jeder kämpft gegen jeden, auch die Geschlechter untereinander. Männer schonen sich gegenseitig auch nicht, sie jammern nur weniger offen, finden es weniger bemerkenswert. Wenn nicht genügend Platz für alle da ist, ist jedes Mittel recht: selbstredend auch Sexismus, Rassismus, Mobbing und Rufmord. Die Frau, die glaubt, ihr Feind sei der Penis, missversteht die brutalen Mechanismen der Macht, in denen Männer sich seit Jahrtausenden gegeneinander behaupten müssen. Und es ist doch nicht so, dass Frauen sich gegenseitig beim gesellschaftlichen Aufstieg besonders helfen würden. Ich würde sogar behaupten:

Der größte Feind jeder Feministin ist die andere Feministin – und das ganz ohne Komplimente.

 

Darum: Seien wir doch nicht so unversöhnlich zu den Männern. Lassen wir sie doch! Das ist doch kein Anlass mehr zum #aufschrei. Immerhin ist es doch besser, wenn Männer ihre Bewunderung und heilige Scheu durch ein Kompliment zum Ausdruck bringen als durch einen Griff zwischen unsere Schenkel.

Hand auf´s Herz, Frauen: wer von euch ist nicht viel lieber eine Frau als ein Mann? Jovialität und Altherrenwitz ist längst keine entspannte Macho-Masche mehr. Es ist die letzte Bastion. Die Rolle des Mentors, Lehrers und väterlichen Freundes ist zu komfortabel, um darauf zu verzichten. Was sollte Mann ohne sie tun? Wer wäre er noch? Angesichts geballter Kompetenz, die dann auch noch so schön ist…

…wie soll Mann denn da zurecht kommen mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit auf ganzer Linie?

 

Wenn Bewunderung und Anbetung nicht erlaubt ist, bleibt angesichts der Überlegenheit nur Hass und Angst. Gleichberechtigung aber, Gleichheit, Augenhöhe kann es nicht geben, wenn den armen Männern bewusst wird, dass sie ihren Mangel an Schönheit nicht mal mehr durch innere Werte kompensieren können. So lautet der rührendste, der ehrlichste Kommentar zum Gastbeitrag von  #Ferda Ataman über das Thema #chebli bei Spiegel Online:

„Wie du´s machst, isses falsch! Sagt einer nichts, hat er kein Feeling für die Belange der Frau, macht er ein Kompliment, dann ist er ein Sexist… Das nächste Mal werde ich eine Frau, wenn ich auf die Welt komme.“

Die Frau ist auf dem Siegeszug – und der Frauenhass überall auf der Welt ist nur der verzweifelte Reflex einer untergehenden Macht, die keine innere Berechtigung mehr hat. Und die Menschen, die zufällig in die Rolle des Mannes geboren und dazu erzogen worden? Die Männer sind nicht zu beneiden.

 

#metoo

 

Auch mir sind Komplimente von Männern gemacht worden, als ich mich noch täglich in den hehren Sphären der Wissenschaft bewegte. In der Universität, in der Männerdomäne Philosophie – ich habe damit gespielt, versucht, schlagfertig zu sein. Doch was tun, wenn man so einen Körper dauernd mit sich herumschleppt, dessen weibliche Formen immerzu ungewollt auffallen? Auf einem Po wie meinem kann man übrigens aus sehr gut sitzen. Und ich denke mir, dass große Brüste bei anderen ein Vorteil sind, wenn man sich an der Tischkante im Lesesaal anlehnt. Man kann das alles ja auch in weiter Kleidung verstecken und sich aus Protest hässlich machen, nicht mehr kämmen usw.

Aber mein weiblicher Körper gefällt mir selbst auch. Ich will auf Weiblichkeit nicht verzichten, um als denkender Mensch ernst genommen zu werden. Meine Schönheit, oder was andere dafür halten, wird schon von alleine nachlassen, wenn ich alt werde. Und bis dahin möchte ich sie nutzen.

 

 Escort als gesellschaftliches Phänomen

 

Die Lösung war für mich tatsächlich Prostitution: endlich wusste ich, wozu mir selbst mein Körper dienen kann, und zwar ganz bewusst. Vorbei die Zeit, als aus meiner Kontemplation in geistigen Sphären, über das Wahre und Gute herausgerissen wurde durch einen Kommentar über mein Gesicht oder meine Figur. Das fühlte sich unangenehm an, als müsste man die ganze Zeit, während man denkt, auch sich selbst denken – sich sich selbst beim Denken vorstellen, den Körper als Gefäß der Gedanken. Doch jeder Denker weiß, dass da ein Widerspruch ist. Die Gedanken spiegeln sich nicht im Körper dessen, der sie denkt. Man sieht es eben dem Hintern und den Brüsten nicht an, ob jemand in höheren Sphären schwebt oder eine komplizierte Rechenoperation löst. Der Körper ist ein solcher Gegensatz zur Intellektualität, wie die Natur ein Gegensatz zum abstrakten Denken des Menschen ist.

Und dann auch noch so klug

Der Körper ist ein Gegensatz zur Intellektualität

Einem konzentriert kontemplierenden Geistesarbeiter zu sagen, er hätte einen Krümel am Mund, oder er hätte einen hübschen Popo, ist ein heimtückischer Anschlag. Wie ein gestelltes Bein für einen Sprinter. Frauen in geistigen Berufen müssen leben mit solchen Stolperfallen. Manche sind es irgendwann Leid – vor allem, wenn die Bezahlung für ihre Leistungen schlecht ist. Dann fragt man sich, warum das Honorar für einen Vortrag oder auch eine künstlerische Arbeit, die wochenlange Vorbereitungszeit kostet, nur ein Bruchteil ist von dem, was Kunden bereit sind für eine Nacht mit einer Prostituierten auszugeben.

Genau das ist der Grund, warum immer mehr emanzipierte Frauen sich für eine Karriere als Prostituierte entscheiden.

 

Es ist kein Wunder, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, dass Frauen heute, nachdem sie ihr unentrinnbares Schicksal als Sexobjekt begriffen haben, die Konsequenzen ziehen. Escort zu werden hat nichts mehr mit Machtlosigkeit zu tun, sondern mit einem emanzipatorischen Pragmatismus. Allein bei Hetaera Berlin bekommen wir bis zu 10 neue Bewerberinnen pro Woche. Und wer weiß, wie viele Studentinnen, junge Wissenschaftlerinnen und freie Kulturschaffende als Escort Berlin unsicher machen.

Wie aufregend anders ist es, mit seinen Formen aufzufallen, wenn man es darauf anlegt – und ein Honorar dafür festsetzt. Das macht den Körper zu einem Instrument, das ich kühl einsetzen kann, ohne mich innerlich betroffen zu fühlen. Ich bewege meinen Körper wie einen verführerischen Köder durch die Empfangshallen von Luxushotels und steuere auf mein Ziel, einen Mann, zu, der sich nur zu gern von mir überwältigen lässt. Es macht uns beiden Spaß. Und Sexismus ist in diesem Rollenspiel faktisch nicht möglich.

In diesem Job gibt es auch keine Gender-Paygap…

 

 

Ich bekomme jetzt ganz neue Komplimente.

 

Jetzt heißt es nicht „Und dann sind Sie auch noch so schön“, sondern „Und dann bist du auch noch so klug! So historisch gebildet! Und wer ist übrigens diese Olympe de Gouge, die kannte ich gar nicht?“

 

 

HETAERA BLOG #7: Eine Ménage à trois mit Elsa und Salomé

HETAERA BLOG #7: Eine Ménage à trois mit Elsa und Salomé

High Class Escort Erfahrungen – Teil 1

von Aegidius Montanus

 

Wir treffen uns in der Long March Canteen in Kreuzberg. Beide warteten schon auf mich, ich hatte um „strenge Kleidung“ gebeten. Elsa Sontag in schwarzen Lederleggins und Oberteil wirkte hinreißend distanziert und dominant, Salomé Balthus mit Overknees und einem Hauch von Minirock wirkte eher zerbrechlich, was sofort meine Beschützerinstinkte erweckte. Ich kannte zwar schon Salomé von früheren Dates aber nicht Elsa und war nervös und gespannt wie sich der Abend anlassen würde.

Das Tischgespräch entwickelte sich rasch und wir redeten miteinander als ob wir uns schon lange kennen würden. Neben dem üblichen dies und das auch über das was kommen sollte. Mehr in Andeutungen, kleinen Bildchen im Kopf, die sich weiterentwickeln können und der Erregung Vorschub leisteten.

Nach dem Essen fuhren wir ins Hotel, die beiden gingen zur Vorbereitung auf das Zimmer, ich wartete bei einem Martini gespannt (in jeder Beziehung) an der Bar. Nach einer gefühlt endlosen Wartezeit wurde ich endlich ins Zimmer gerufen. Was für ein Anblick, beide saßen, weitgehend nackt auf der Chaiselongue. Ich folgte der Aufforderung mich auszuziehen und zu duschen, und mich dann wieder zur Begrüßung einzufinden, gerne und ohne Verzug. Auf allen Vieren begrüßte ich die beiden Schönheiten und bekam unter anderem ein Glas Champagner.

Die Aktivitäten verlagerten sich daraufhin ins Schlafzimmer. Ich musste mich vors Bett stellen und wurde von Elsa sachkundig gefesselt, ein erregendes Gefühl, und daraufhin zunächst bäuchlings aufs Bett geworfen. Während Elsa meinen Po mit einem Paddel massierte durfte ich Salomé mit der Zunge verwöhnen, meine Empfindung schwankte zwischen Schmerz und Erregung, phantastische Bilder. Das Spiel ging noch eine ganze Zeit weiter, ein unvergessliches Erlebnis mit zwei erfahrenen und schönen Hetären.

Es war nicht die letzte Ménage à trois mit den Beiden.

HETAERA BLOG #6: VIP-Escort, oder: Die Kameliendame

HETAERA BLOG #6: VIP-Escort, oder: Die Kameliendame

Alphonsine Plessis, oder Comtesse Mariette Duplessis war das luxuriöseste VIP Escort, lange, bevor es diesen Begriff gab

 

VIP High Class Escort

 

Paris betrat sie zuerst als schmächtige 15-Jährige mit großen, verschreckten Augen. Geboren 1824 in einem kleinen Dorf in der Normandie. Sie war bitterarm. Das Kind arbeitete bereits, erst als Dienstmädchen in einem Wirtshaus, dann in einer Fabrik für Regenschirme. Sie schlug sich durch in der Großstadt, als Weißwäscherin und Näherin, bis der erste Vertreter jener Sorte Leute sie sah, von denen ihr ganzes Leben in Zukunft bestimmt sein sollte: ein steinreicher Bourgeois der High Society, ein Kaufmann – ihr Entdecker. Eine kleine Wohnung wurde eingerichtet, ein fester Ort für Dates, um sie jederzeit zu besuchen und sich an ihr zu erfreuen. Diskretion spielte damals durchaus eine Rolle – aber nicht in Kreisen, wo die Herren unter sich waren: Er vermittelt sie an seine Freunde, und diese wieder sorgen für weitere Vermittlung – so fängt es an.

La Dame aux Camélias

Innerhalb kurzer Zeit wird aus der kleinen Landflüchtigen eine der begehrtesten High-Class-Kurtisanen von Paris. Ganz ohne die heutigen Institutionen von Escort-Service oder Agentur. Sie lernt Lesen, nimmt Klavierunterricht, nutzt die Hilfe Männer, die mit ihr schlafen, um sich Bildung zu verschaffen. Sie ändert auch ihren Namen: aus Alphonsine Plessis wird Marie Duplessis – die Kameliendame. Im Roman von Alexandre Dumas dem Jüngeren heißt sie Marguerite Gautier. In der berühmten Oper von Verdi heißt sie Violetta Valéry.

 

High life mit melancholischem Touch

Marie ist das Sexsymbol nach dem Geschmack des 19. Jahrhunderts, ein role model der Romantik: elegisch, zerbrechlich, zart und blass auch Dank der obligatorischen Modekrankheit der Schwindsucht, mit den poetischsten dunklen Augen und Locken, dem Hang zur romantischen Liebe, zur Passion für die Treue zum wahren Geliebten und der Bereitschaft zum Selbstopfer, die die Damen der viktorianischen Epoche nötig hatten.

Die delikate Mischung aus erotischem Reiz und heiliger Selbstlosigkeit teilt die Kameliendame mit den Figuren ihrer Epoche, wie sie besonders gern vom klassischen Ballett verewigt wurden: Giselle, Odette-Odile, la Sylphide… ein anachronistisches Idol, das schon von Flaubert karikiert wurde, als er die „Madame Bovary“ in ihrer Hoffnungslosigkeit überdeutlich zeichnete, eine Dame ganz á la mode, die von dem Opfertod für den Geliebten träumt (der sie undankbarer Weise sitzen lässt), dann aber aus schnöden Geldnöten den Tod vorzieht.

Dumas gehörte zu ihren Liebhabern, auch Franz Liszt, Théophile Gautier und Jules Janin – die VIP ´s der Pariser Kulturszene. Marie Duplessis wird bewundert für ihre Anmut, ihren feinen Takt. Niemand, der ihr zum ersten Mal begegnete, sei auf den Gedanken gekommen, dass sie so etwas wie ein Escort war. Das Escort Marie verstand sich auch auf Selbstironie, z.B. Umgang mit ihren Lieblingsblumen, den Kamelien: An 25 Abenden im Monat trug sie weiße Kamelien, an den übrigen Abenden, wenn sie ihre Periode hatte, rote Blüten im Haar oder an ihrem Kleid. Sie war ein Star unter den Escorts ihrer Zeit, ein wahrhaftiges VIP-High-Class-Escort, ohne dass eines der Wörter in diesem Begriff ein Euphemismus wäre.

 

High Class, aber noch lange nicht Teil der Klasse

 

Doch im Januar 1846 heiratete Marie heimlich den 29-jährigen Grafen Eduard de Perregeaux, Sohn des französischen Grafen und Politikers Alphonse Perregaux, in London. Kurz nach der Hochzeit kehrt sie zurück nach Paris – allein. Marie litt an Tuberkulose und war bereits schwer krank. Trotzdem wurde ihr Leben nun wilder und ausgelassener als je zuvor. Ein knappes Jahr später, am 3. Februar 1847, starb sie in ihrer Wohnung am Boulevard de la Madeleine Nummer 11. Sie wurde nur 23 Jahre alt. Soweit die historischen Fakten.

Ein Escort, eine achtbare Dame der Halbwelt, will aus Liebe zu einem Mann ein bürgerliches Leben mit ihm führen. Doch Damen „mit Vergangenheit“ haben kein Recht darauf, jemals als akzeptabler Teil der Gesellschaft zu gelten, ebenso wenig ihre Angehörigen. Eine Liebesheirat würde für das Paar ein Elend bedeuten, dass Marie wieder in die Sphäre drängt, zu der sie nicht mehr gehören wollte. Sie hat keine Wahl. Marie Duplessis wird das Opfer einer Männergesellschaft, deren Doppelmoral den Verkehr mit VIP-Escorts für sich beansprucht, für die Ehe aber lediglich Damen „ohne Vergangenheit“ akzeptiert. Welcher Mann diese Regel bricht, ist ruiniert. Vor diesem Schicksal möchte die Kurtisane den einzigen Mann, der sie je wirklich liebte, bewahren und verlässt ihn, indem sie vorgaukelt, ihn nie geliebt zu haben. Quelle tragédie!

Zurück in Paris und ihrem Leben als Escort aber gilt Marguerite durch die lange Beziehung zu Armand als sentimental, mithin als abgeschrieben. Sie erliegt ihrer Krankheit in Armut und Verlassenheit. Ein Tod allerdings, dem auch eine noch so unsentimental-geschäftstüchtige Kurtisane schwer entgehen konnte.

 

VIP-Escort als Spekutlationsobjekt

 

VIP High Class Escort

Selbst das exklusivste VIP-High-Class-Escort sollte nicht einen Augenblick glauben, dass die Reichtümer und Ehrentitel, die sie mit ihrer Kunst erwirbt, wirklich ihr gehören. Ein VIP-Escort ist nichts ohne die Männer, und die Männer wissen es. Das Escort-Model ist das Spekulationsobjekt der Männerwelt, die ihr saisonales Lieblingsspielzeug mit kostbaren Attributen schmückt, deren Glanz auf die Erfolgreichsten des männlichen Geschlechts abstrahlt. Ein High-Class-Escort, so wählerisch und stolz sie sein mag, ist nichts ohne die Männer, und die Männer wissen es. Sie sind solidarisch: einer garniert die schöne Frau mit seinem ganzen Vermögen, bis er sich zurückziehen mag, um den nächsten seiner Gattung die Früchte dieser Großzügigkeit genießen zu lassen: seidene Laken, kostspielige Dessous, ein lauschiges Landgut… alles Dinge, die der Liebe nützen, die das Liebesleben schöner machen, Investitionen in ein Spekulationsobjekt, an dessen Wert man sich seine Aktie verdient. Ein VIP-High-Class-Escort ist das Produkt reicher Männer, und sie schätzen sie nicht anders als ein kleines Unternehmen, das sie gesellschafterisch unterhalten. Die Männer achten sich gegenseitig für den Verkehr mit einem VIP-Escort, insofern es nur wirklich zur Elite gehört, und vor allem insofern ein jeder sich auch an dem Geschäft der Wertsteigerung beteiligt. Wer aber echte Liebe hegt, nicht für ein Escort-Model, sondern für das menschliche Wesen dieses Models interessiert, das diese Liebe eventuell sogar erwidert, der wird ausgestoßen: denn er hat die Preise verdorben, hat das Escort sentimental gemach.

 

Der Fetisch-Charakter der Ware aus Sicht einer Escort-Dame

 

Die Herren wissen, dass sich das gemeinschaftliche Unternehmen stets auszahlt: ist ein ehemaliges High-Class-Escort nicht mehr en vogue, sei es nun, weil sie krank, gealtert oder sentimental ist, muss sie für den Luxus zahlen. Sie muss all die Kostbarkeiten, die sie zu besitzen wähnte, abzahlen. Die Gesetze des Kurtisanenlebens verlangen, dass diese Frauen sich ständig verschulden, immer mehr Geld ausgeben, als sie verdienen. Ihr Ansehen, ihr Preis, ihre Einkünfte steigen zwar ständig, von den ersten Nächten ihres Ruhmes angefangen. Doch ihre Ausgaben, ihre Ansprüche eilen dem stetes voraus. Vielleicht hat es mit einem geliehenen Kleid angefangen, mit auf Kredit gekaufter Wäsche. Die erfolgreiche Liebesnacht hat ausgereicht, diese Ausgaben gerade eben zu bezahlen. Doch nun naht der nächste Abend, der nächste Mann, auch diesem muss man gefallen, und zwar besser noch als dem vorigen, um besser belohnt zu werden.

Das eigene Gefühl, selbst mehr wert zu sein nach jedem Erfolg, genährt durch die Komplimente und Geschenke des Kavaliers, verlangt seine Entsprechung in neuer Garderobe, feinerer Kosmetik, einer prachtvolleren Wohnung zum Empfangen und Repräsentieren. Die Kurtisane wird von Männern ausgehalten, reich beschenkt und verwöhnt. Gleichzeitig aber häuft sie Schulden an bei Modisten, Lieferanten, Innenausstattern und Ärzten, und alle geben der Kurtisane gern Kredit. Sie hoffen bei einem Besuch in ihrem eleganten Salon mit den prächtigen Möbeln, beim Blick in ihr Boudoir voll kostbarer Seide und Juwelen, dass all dieser Luxus, all dieses Geld einst zu ihnen herüber wandert, in wenigen Jahren, wenn Charme des promisken Wesens verbraucht ist. Denn gerade dann, wenn die High-Class-Dame ahnt, dass ihr Stern verlöscht, versucht sie verzweifelt, ihre Stellung zurück zu gewinnen. Sie versucht es mit den üblichen Mitteln, mit gesteigerter Koketterie, mit öffentlichen Auftritten in neuen, rauschenden Toiletten. Wird sie krank, versucht sie der Krankheit, die sie verzehrt, zu entgehen, und häuft Schulden an bei Ärzten und Scharlatanen.

VIP Hig Class Escort

Im Kampf gegen das Unausweichliche mehren sich die Schulden der Kurtisane um ein Vielfaches. Wie oft hat sie Schulden gemacht, für Investitionen in ihre Verführungskunst, die sich dann um ein Vielfaches auszahlten! Und noch mehr Schulden beim nächsten Mal, und wieder höhere Gewinne! Doch die Rechnung geht nicht auf. Die letzten Schulden, Schwindel erregende Beträge, können nie mehr beglichen werden. Die Kurtisane ist ruiniert, am Ende, niemand macht ihr mehr ihre Aufwartung, und wenn sie ausgeht, eilt ihr eine üble Fama voraus. Eines Tages kommen doch wieder Männer in ihren Salon, doch diese Männer wollen nicht mehr den vielgeliebten Frauenkörper, sie wollen ihr Geld, das Geld, das sie noch viel mehr lieben als die Frauen. Durch Pfändungen und Versteigerungen kommt ihr geliebtes Geld zu ihnen zurück, erholter und wohlgenährter als es einst ausgeliehen wurde. Das Unternehmen hat sich ausgezahlt, das Geschäft ist abgeschlossen.