HETAERA BLOG #14: Nachtleben Berlin

HETAERA BLOG #14: Nachtleben Berlin

Ja, das sind wir!

 

Tom Tykwers opulente Produktion „Babylon Berlin“ begeistert

 

Nachtleben Berlin

Wer schläft, verpasst das Wachsein – und ich muss ja wach sein.

Diesen Satz sagt die junge illegale Prostituierte Charlotte Ritter, Proletentochter aus der engen Mietskaserne (2 Zimmer, 8 Menschen) Berliner Göre und nicht auf den Mund gefallen. Es ist ein Motto, ein Mantra. Die betörend verruchten Bilder von „Babylon Berlin“ verführen in eine Welt, die in Berlin nie wirklich Vergangenheit war, sondern die Seele seiner Bewohner.

Berlin ist aber nicht, wie New York, die Stadt, die niemals schläft, weil immer irgendwer arbeitet und noch mehr Geld macht. Berlin ist der Ort, wo die Berliner die Nacht zum Tag machen. Hier schläft nur, wer es sich leisten kann. Und viele können es nicht. Schon gar nicht nachts.

Charlotte Ritter ist die weibliche Hauptfigur in Tom Tykwers, Henk Handloegten und Achim von Borries Epochaler Serie „Babylon Berlin“ , nach dem Roman von Volker Kutscher. Anrührend frech verkörpert von der Newcomer-Schauspielerin Liv Lisa Fries.

 

Heimlicher Star: die Stadt

 

Heimlicher Star ist aber, ganz klar: die Stadt. Der Schauplatz, die Statisten. Die Hauptdarsteller, wenn auch glänzend besetzt, sind am Ende: nur Schauspieler. Sind die überhaupt aus Berlin? Aber was die Nebendarsteller und Komparsen angeht, hat die Regie Wert gelegt auf Authentizität. Denn es gibt ihn, den kochenden Schmutz dieser Stadt. Außer den 8000 Quadratmeter Außenkulissen in Babelsberg, die Szenenbildner Uli Hanisch teils aus alten Beständen restaurieren ließ, sind die Originalschauplätze es, die das Herz Ortskundiger höher schlagen lassen. Diese Brücke unter den Bahngleisen am Bahnhof Friedrichstraße, über der Spree – kennt man! Und da soll eine Bar sein? Die meinen doch nicht etwa die Bar Tausend? Und wirklich, in der nächsten Szene sind wir in der Bar Tausend, nur dass die in den 20er Jahren, im Film, natürlich anders heißt. Freudig erkennen wir auch das Rote Rathaus, den Admiralspalast, die Gassen im Scheunenviertel, den Hermannplatz oberhalb und unterhalb. Der alte Filmpalast Delphi, da wurden die Innendrehs auf dem Dancefloor des „Moka Efti“ gemacht. Der „akademische Ruderclub“ am Wannsee – das ist doch heute das Literarische Colloquium! Und auch all die typischen Berliner Mietskasernen, Hinterhöfe, die Gründerjahr-Villen, das Straßenpflaster ist uns vertraut. Auf diesem Pflaster klacken unsere Absätze, hier atmen wir die Berliner Luft, jeden Tag. Nur den Potsdamer Platz mit dem Café Josty, den gibt´s so nicht mehr. Und statt zu Aschinger gehen die Leute heute zu Vapiano, wenn´s viel und billig sein soll. Auch heute können sich nur wenige auserwählte so feines Essen wie im exklusiven Club „Moka Efti“ leisten – was wäre heute das Pendant zu diesem schillernden fiktiven Club, der sowohl Tanzhalle, Jazzclub, Edel-Bordell, und in den höheren Etagen Gourmet-Restaurant und BDSM-Studio, sowie Luxus-Apartments für Mafia-Größen enthält? Das „Moka Efti“ ist das Berliner Nachtleben unter einem Dach. Gäbe es so einen Club heute, statt viele Orte verstreut über die ganze Stadt, es wäre das Berghain, mit eingebautem Nobelhart&Schmutzig und dem Insomnia in 3 Etagen unter der Erde. Wo seid ihr, Immobilienhaie aus aller Welt? Wäre das nicht das passende Projekt für die Kurfürstenstraße, damit in der Gegend zwischen Kudamm und Kleistpark endlich nachts die Lichter angehen?

Die schillernden Sumpfblüten, die Berlin so prächtig blühen: Travestie, Transgender. Grandezza einer Theater-Allure, überdreht, mitunter selbstironisch. Ehemals verstörte Landflüchtige, Zugezogene aus der Provinz, die sich sehr schnell an den zackigen Rhythmus gewöhnen – oder untergehen. Obdachlose mit Schneid, Suchtkranke mit Sekretärin. Sexuelle Freiheiten, weil die Eltern weit weg sind und die Kirchen hier mehr Dekoration als Institution. Klüngelnde Polizei, die sich untereinander deckt und die eine oder andere Amtsüberschreitung vertuscht. Revolutionäre Jugend, die nichts zu verlieren hat – außer ihrer Revolution. Die russische Mafia sondiert die Lage – Berlin, das Tor Westeuropas zum Osten, war immer Teil russischer Machtstrategien. Bordellwirtinnen mit besten Beziehungen zur Sittenpolizei. Barmädchen, Nackttänzerinnen. Der Prototyp des Proletenmädchens, das sich als Gelegenheitsprostituierte durchschlägt. Dies trifft die Tatsachen viel genauer als der moderne Euphemismus „Hobbyhuren“ – denn ein Hobby, das kann man sich leisten, dafür nimmt man kein Geld.

Schillernde Sumpfblüten

 

Nachtleben BerlinHätte es damals den Begriff Escort schon gegeben, er wäre hätte treffender nicht sein können. Die typischen Berliner Huren waren und sind, als Escorts, nicht, wie in anderen berühmten Rotlicht-Vierteln in Hamburg oder New Orleans: Milieu-Erscheinungen.

Berliner Escort Girls sind vielmehr Chamäleons, Verwandlungskünstlerinnen. Tagsüber arbeiten sie, sowohl aus Notwendigkeit, als auch aus Ambition, in den ehrenwertesten Tätigkeiten. So wie die Charlotte im Film sich von der Gelegenheits-Stenotypistin hocharbeitet zur Karriere als Kriminalpolizistin, sind es heut die Studentinnen, Lohnarbeiterinnen, Dienstleisterinnen und sogar Karriere-Frauen, die sich Abends in so ganz besonders feine Damen mit Smokey Eyes und Highheels verwandeln. Kein Wunder, dass der Lebensstil der Kreativen in Berlin so massenhaft vorkommt wie nirgendwo sonst. Erwachsene Menschen, die in WGs in Kreuzberg wohnen, oder ernsthaft über Hausbesetzungen nachdenken – natürlich nicht den Plan, den Keller des besetzten Hauses in eine ausgefallene Nachtbar umzuwandeln. Oder erotisches Theater zu spielen. Wann eröffnet das erste Varieté-Theater in Berlin, in dem echte Escorts auf der Bühne stehen? Oh, aber vielleicht weiß ich da ja mehr als Sie…

Ja, die Künstler, natürlich die Künstler! Was wäre Berlin, was wäre Babylon Berlin ohne sie?

Der Titelsong von Johnny Klimek & Tom Tykwer ist ein Ohrwurm. Musik von Jazzbigband bis zum Leierkastenmann. Es gibt glamouröse Burlesque, Tänzer, einen Gastauftritt von Brian Ferry. Auch Chanson-Star Tim Fischer hat seinen Auftritt. Er spielt – wen überrascht ´s? Eine Travestie-Diva mit rollemden R. Also sich selbst.

Auch die Prostituierten sind mitunter echt: weil für den Film echte Dominas gesucht wurden, fuhr das Casting-Team zum Studio Lux nach Tempelhof – wohin sonst?

Und wählte u.a. Lady Juliette:

Nachtleben Berlin

 

 

 

Natürlich eine Hetäre!

 

 

 

 

 

Und wer ist diese bezaubernde Burlesque-Tänzerin im Bananen-Röckchen à la Joséphine Baker?

 

Nachtleben Berlin

…ist das nicht unsere Thaïs?

Über 5.000 Komparsen hat Regisseur Tom Tykwer rekrutiert. Dabei begab er sich auch in die Kunst- und Halbweltszene, die das Berliner Nachtleben so reich macht. Die zahlreichen Originale dieser Szenen musste er nur aufgabeln und eine Kamera auf sie richten – ganz organisch fügen sie sich in die Welt des Films ein. Als ob dieser Film mehr ist als nur eine deutsche Fernsehserie, sondern ein Spiegel, ein Seismograph eines Zeitgeistes, der in Berlin nie ganz vorbei war, und aus den schäbigen Fabrikruinen und illegalen Clubs der Jahrtausendwende auftaucht wie ein Golem auf Koks: die 20er Jahre! Das falsch-goldene Jahrzehnt, der Tanz auf dem Vulkan. Die Zeit nach dem großen Krieg, die Party nach dem Weltuntergang. So war es gestern, so ist es heute. Gerade jetzt, in 2015, 2016, 2017, den Millennium-Teens, hat er Konjunktur – wahrscheinlich wird es auch Millenium-20er Jahre geben, die so wild und haltlos werden wie diese Zeit. Und es ist mehr als verspielte Liebhaberei von Retro-Charme. Die 20er Jahre sind uns näher als die Wirtschaftswunderjahre oder die 68er. Auch die 80er sind uns fremd, das ist nicht mehr unser Leben, hat nichts mit uns zu tun. Die 1920er aber, die soziale Situation, die psychologische Verfasstheit dieser Menschen ist uns zutiefst vertraut: es ist unsere eigene. „Lass uns ewig sein“, heißt es im herrlich sentimentalen Refrain des Titelsongs, und trotzig: „Zu Asche, zu Staub – doch noch nicht jetzt!“

Diese Serie unbedingt sehenswert. Oder, wie das höchste Kompliment des Berliners lautet, ein seltener Ausbruch, nur in Zuständen höchster Emphase und Ergriffenheit: Da kann man nicht meckern.

Sie ist eben nicht das, was deutsches Fernsehen seinen Gebührenzahlern normalerweise vorsetzt. Mit über 40 Millionen gefördert, wird die Liebe zum Detail endlich bezahlbar. So etwas geht sonst nur in Hollywood. Kein Wunder, dass neben der Presse auch das Publikum hin und weg ist: über eine Million Zuschauer haben die Serie bereits auf Sky gesehen. Sie noch nicht?

Sehen Sie Babylon Berlin, ob sofort gegen kleines Geld oder nächstes Jahr im Free-TV, das liegt bei Ihnen. Laden Sie Ihre Freunde zur Videonacht mit Bouletten, Wodka und Champagner ein.

Wenn Sie es aber wirklich erleben wollen, das Lebensgefühl im fiktiven „Moka Efti“, dann wissen Sie ja, wen Sie da fragen.

Man sieht sich!

 

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HETAERA BLOG #13: Sexbots machen Mann kaputt

HETAERA BLOG #13: Sexbots machen Mann kaputt

 

Die verrückten Wissenschaftler der Firma Abyss Creations stellen gruselige Sex-Roboter her. Sie sollen echte Frauen ersetzen – Text in ZEIT ONLINE.

 

Salomé Balthus by HETAERA BERLIN

Was ist der Vorteil von Sex, gegenüber der Masturbation? Man lernt viele interessante Menschen kennen.

Was der Schriftsteller Thomas Brasch wusste, ist den Machern von Abyss Creations offensichtlich nicht bekannt. Diese Firma stellt gruselige Sex-Roboter her, die nicht nur aussehen sollen wie echte Frauen, sondern sich sogar mit ihrem Benutzer „unterhalten“ können. Ob die nerdigen Ideengeber überhaupt wissen, was das ist, zwischenmenschliche Interaktion? Eines ist jedenfalls klar: Computerfrauen haben keinen Orgasmus. Und die Besudelung einer Gummipuppe macht Sie nicht unbedingt zu einem besseren Liebhaber. Sexbots sind nicht die besseren Escorts – sondern das genaue Gegenteil. Der Anspruch von HETAERA ist es, starke Charaktere miteinander bekannt zu machen und so den Zauber der Erotik und der Nähe zu entfachen. Männer, die statt einer selbstbewussten, unabhängigen Frau als High Class Escort lieber eine devote Fickpuppe suchen, müssen diesen Trieb in Zukunft zumindest nicht mehr an den Frauen eines Escort-Service abreagieren. Sie können sich so ein Spielzeug jetzt kaufen. Allerdings müssen Sie es anschließend auch selber reinigen.

Eigentlich kann man Firmen wie Abyss Creatoins nur wünschen, dass sie mit dieser Geschäftsidee krachend scheitern – weil die Männer sich an den Kopf fassen vor Entsetzen, für wie idiotisch man sie hält. Außerdem, wonach riechen solche Sexbots eigentlich? Nach Plastik? Nach parfümiertem Silikon? Oder hat der Hersteller daran gedacht, den Wunderpuppen echte Schweißdrüsen mit nachfüllbarem Pheromon-Vorrat einzubauen? Ein normaler Mann kann doch wohl immer noch zwischen einer begehrenswerten Frau und einer Puppe unterscheiden, und will das Original! 

Doch die Marktforschungsabteilung von Abyss Creations sieht dies anders. Und tatsächlich eröffnen bereits die ersten „Dollbordelle“ – nicht nur in Japan, sondern auch in Europa.

Ein sehr lesenswerter Text in ZEIT ONLINE von Alexander Krex.

 

Es wird gerade dunkel in London, als die Professorin Kathleen Richardson auf dem Gehweg stehen bleibt und eine imaginäre Waffe zieht. Sie beugt die Arme vor dem Oberkörper, als hielte sie eine Maschinenpistole, geht in die Knie und visiert ein unsichtbares Ziel an. „Stell dir vor, eine Übermacht kommt auf dich zu“, sagt sie. „Was tust du?“ Die Antwort, die sie darauf seit Jahren gibt, lautet: Nicht zurückweichen, auch wenn es scheint, als sei die Schlacht nicht zu gewinnen. Die Schlacht, in der Kathleen Richardson an vorderster Front kämpft, richtet sich gegen Sexroboter. Noch gibt es nur Einzelanfertigungen, noch sind sie vor allem eine feuchte Utopie. Übermacht? Das passt doch gar nicht, möchte man einwenden. Und genau hier würde man sich in ihren Augen schon verraten, als jemand, der daran glaubt, dass Roboter Subjekte sein können. Nein, diese Gummipuppen mit ein bisschen Mechanik im Rumpf und einem Chip im Kopf seien nur die Ware, sagt sie. Der Feind, das seien Männer wie der amerikanische Sexroboterhersteller Matt McMullen, der damit Millionen verdienen will. Aber auch jene Liberalen, für die Sexualität reine Privatsache ist. Jene Techies, die alles Machbare auch machen wollen. Die nur technische Grenzen kennen. Kathleen Richardson ist 45 Jahre alt, eine kleine Frau mit großen grünen Augen und einem schwarzen Pony. Sie wirkt mädchenhaft, wie sie da in ihrer Regenjacke mit Blümchendruck durch London läuft, den Rucksack geschultert. Akademische Distinguiertheit spart sie sich, sie springt von einem Thema zum anderen. Richardson ist Anthropologin und Professorin für Roboterethik und Künstliche Intelligenz an der Universität Leicester. Und die Gründerin der „Campaign Against Sex Robots“, eines Zusammenschlusses von vier Akademikerinnen, der für ein Verbot von Sexrobotern lobbyiert, auf Podien, im britischen Oberhaus, in Brüssel. Richardson setzt das Thema auf die Agenda. Wie so oft, wenn es um Technologie geht, hinkt der Diskurs den Fakten hinterher. Am Sonntag wird sie auf einer Feminismuskonferenz sprechen, deshalb ist sie in London.

„Die Japaner haben immer weniger Sex.“ (Kathleen Richardson)

Richardson glaubt, dass es bald zur Katastrophe kommen könnte, zur totalen Entfremdung der Menschen voneinander. In Japan sei das schon Realität. „Die Japaner haben immer weniger Sex. Statt mit echten Menschen auszugehen, führen sie Beziehungen mit Computerspielfiguren.“ Das Land steuere auf eine nie gekannte Vereinzelung zu. Richardsons Dystopie sehen andere als eine Riesenchance. Schon heute werden in der Sextech-Branche weltweit rund 30 Milliarden Dollar jährlich umgesetzt, mit computergesteuertem Sexspielzeug. Sexroboter, davon gehen Insider aus, würden dem Markt einen weiteren Boom bescheren. In einer Studie der Universität Duisburg-Essen gaben kürzlich 40 Prozent von 263 befragten Männern an, sie könnten sich vorstellen, einen zu kaufen. Die potenzielle Zielgruppe ist riesig. Ende des Jahres sollen die ersten industriell gefertigten Sexroboter auf den Markt kommen, geschätzter Kaufpreis: 15.000 Dollar. Hersteller ist die kalifornische Firma Abyss, bislang Marktführer bei lebensecht wirkenden Sexpuppen aus Silikon. In den vergangenen Jahren hat der Firmengründer Matt McMullen hunderttausende Dollar investiert, um seinen Puppen Leben einzuhauchen. Mittels künstlicher Intelligenz sollen sie nicht nur auf ihren Besitzer reagieren, sondern sich auch seine Vorlieben merken. Der Kunde kann entscheiden, wie die Puppe aussehen soll: Hautfarbe, Hüfte, Brüste, Gesicht, Haare, fast alles ist modifizierbar. Was das Gemüt betrifft, haben sich die Macher an Pornofilm-Klischees gehalten: fügsam und unterwürfig. Die Roboterfirma Die Real Dolls des Herstellers Abyss Creations sind die meistverkauften Sexpuppen. 600 realistische Silikonpuppen verschickt das kalifornische Unternehmen jährlich weltweit, die Preise beginnen bei 4.000 Dollar. Neben Abbildern echter Pornodarstellerinnen können Kunden auch Fantasypuppen bestellen, etwa mit grüner Haut und Elfenohren. Derzeit wird daran gearbeitet, aus den Puppen Roboter zu machen, die sprechen, Kopf und Augen bewegen und auf bestimmte Berührungen reagieren. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle für 15.000 Dollar auf den Markt kommen. Das Puppenbordell Im Frühjahr eröffnete Lumidolls in Barcelona, ein Club, der Sexpuppen stundenweise vermietet. Auf der Website des Unternehmens können sich Kunden eines von vier Modellen aussuchen und angeben, welche Kleidung es tragen soll (Sekretärin, Schulmädchen, Fitness-Outfit). Erst wenn der Termin vereinbart und bezahlt ist, erhält der Kunde die Wegbeschreibung zum Club. Sollten Harmony und ihre Schwestern, die man natürlich auch vermieten kann, irgendwann tatsächlich der Prostitution Konkurrenz machen? Das älteste Gewerbe der Welt neu erfinden, dagegen wäre Uber ein Witz. Richardson glaubt das nicht. Pornofilme hätten auch nur dazu geführt, dass heute mehr Frauen in der Sexindustrie arbeiteten als je zuvor. Am Abend vor der Konferenz sitzt sie im Pub und erklärt, warum sie Sexpuppen verabscheut. Das seien Abbilder von Frauen, deren Körperöffnungen vor allem eine Funktion haben: penetriert zu werden. Der Kellner überhört die Konversation mit britischer Höflichkeit, kann sich ein kurzes Stutzen aber nicht verkneifen. Als kurz darauf eine Bettlerin von Tisch zu Tisch geht, wühlt Richardson in ihrer Tasche nach einem Fünf-Pfund-Schein. Weil sie keinen findet, bekommt die Fremde einen Zehner. „Heute ist dein Glückstag“, sagt Richardson, und, als die Frau außer Hörweite ist: „Sie sah so aus, als würde sie vielleicht etwas tun, was sie nicht will, um an Geld zu kommen. Das kann ich nicht zulassen.“ Für Richardson bleiben Roboter tote Materie Auf Techies, die Probleme in Nullen und Einsen zerlegen, muss sie esoterisch wirken Vom Golem im Mittelalter über Olimpia aus E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann bis zu Terminator, Blade Runner und Westworld – in unserer Vorstellung waren die von Menschen gemachten Maschinen immer schon mehr als die Summe ihrer Bauteile. Doch was noch in den 1980ern Science-Fiction war, weit weg wie Star Trek, erscheint nun als Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Für Richardson sind die Mythen denkender Maschinen, die im kollektiven Unterbewusstsein umhergeistern, ein Problem: Sie spielen jenen in die Hände, die damit reich werden wollen. Denn das geht am besten, wenn sie ihre Produkte mit dem Versprechen ausliefern, sie seien beziehungsfähig. Ein Hersteller von Sexrobotern heißt True Companion, „treuer Begleiter“. Die Feminismuskonferenz wird in einem Universitätsgebäude in der Innenstadt abgehalten. Am Eingang gibt es Jutebeutel mit der Aufschrift „Patriarchat zerschlagen“, daneben Shirts mit dem Credo „Wilde Frauen rasieren sich nicht“. Richardson spricht in einem Vorlesungssaal mit abgelatschter blauer Auslegware. Die erste Folie, die sie an die Wand wirft, zeigt, worum es ihr geht – und worum nicht. Zwei Bilder sind zu sehen, eine bunte Auswahl an Vibratoren und eine blonde Puppe mit riesigen Brüsten, die lasziv in den Saal lächelt. Vibratoren, sagt Richardson, seien bloß Werkzeuge zur Stimulation, eine Puppe dagegen repräsentiere eine Frau. Vor allem Männer würden diesen Unterschied nicht immer anerkennen. „Nur damit das klar ist, ich habe nichts gegen Vibratoren. Wer immer einen benutzen will: nur zu!“ „Nur damit das klar ist, ich habe nichts gegen Vibratoren. Wer immer einen benutzen will: nur zu!“ Dann wird es grundsätzlich, Richardson präsentiert ihr argumentatives Fundament, eine Kritik an René Descartes und seinem berühmten „Ich denke, also bin ich“. Das daraus folgende Menschenbild – sie nennt es „egozentrisches Patriarchat“ – sei problematisch. „Wir sind nicht, weil wir denken“, sagt sie. „Wir sind, weil andere sind, die uns Wärme schenken, Nahrung geben, uns beschützen.“ Was uns als Subjekte konstituiert, sei nicht die Idee, sondern die Empathie. Und genau die stehe auf dem Spiel, wenn wir uns mit Robotern einlassen, die wir behandeln können, wie wir wollen. Die Kurzfassung geht so: Der Verkauf von Sexrobotern senke die Hemmschwelle, zu Prostituierten zu gehen, die man wiederum wie Roboter behandeln würde. Richardson zitiert den Werbeslogan für eine Sexpuppe: „Du kannst mich benutzen, wie eine echte Frau es niemals erlauben würde.“ Daraufhin meldet sich eine junge Frau zu Wort. Sie erhebt sich in einer der hinteren Reihen und bedankt sich für Richardsons Ausführungen, das Thema sei neu für sie. Dann wird sie laut: „Es macht mich wahnsinnig wütend, dass sich Männer mithilfe von Sexrobotern auf unseren Körpern ausleben können.“ Applaus. Sie sagt tatsächlich „unsere Körper“. Wie Richardson sieht sie die Puppen als Repräsentation der Frau an sich. Richardson aber geht es nicht nur um Frauen. Sie will auch die Männer retten. Denn auch sie seien ja Opfer einer Konsumlogik, die Frauen zu Maschinen und Beziehungen zur Ware mache. Glücklicherweise gebe es als „analytisches Konzept“ ein altbekanntes Gegengift: die Liebe. Kein Widerspruch aus dem Auditorium, das hier ist ein Heimspiel. Richardson spricht sonst eher vor Entwicklern und IT-Experten, etwa auf dem Web Summit, einer der bedeutendsten Technologiekonferenzen weltweit. Die meist männlichen Zuhörer wollten ihr oft nicht folgen, sagt sie. Auf die Techies, die es gewohnt sind, Probleme in Nullen und Einsen zu zerlegen, muss Richardsons Ansatz esoterisch wirken. Im Internet wird Richardson als „Feminazi“ beschimpft Als Jugendliche war Richardson Kommunistin, träumte davon, dass die Menschen endlich tun könnten, was sie wollten, wenn die Arbeit nur gerecht verteilt und gut organisiert sei. Mithilfe von Robotern zum Beispiel: „Ein Staubsaugerroboter, der meine Wohnung putzt, ist doch praktisch“, sagt sie heute. Später setzte sie sich mit künstlicher Intelligenz auseinander, verbrachte Monate in einem Roboterlabor des MIT im amerikanischen Cambridge. Sie beschäftigte sich auch mit einem EU-Projekt, das autistische Kinder mithilfe von Robotern aus ihrer abgeschlossenen Welt führen will. Viele dieser Kinder konnten besser mit Maschinen interagieren als mit Menschen. Für Richardson bleiben die Roboter trotzdem Heuchelei, tote Materie. Punkt. Hunde hätten sich als viel heilsamer herausgestellt, sagt sie. Nach ihrem Vortrag kommt einer der wenigen Männer im Publikum auf die Bühne, ein kanadischer Anthropologe, Mitte zwanzig, mit Turnschuhen und Vollbart. Er will von Richardson wissen, was passiert, wenn Sexroboter tatsächlich verboten werden. Sollen die Käufer dann ins Gefängnis? Und hätten Männer andernfalls wirklich nur noch Sex mit Robotern? Sie unterbricht: „Das wäre kein Sex, Sex passiert nur zwischen mindestens zwei Subjekten.“ Ihr Kampf ist auch ein Kampf der Begriffe. Die anderen Fragen könne man via Skype erörtern, sagt sie, sie müsse jetzt zum Bahnhof. „Schreiben Sie mir eine Mail. Sie finden mich im Netz, googeln Sie einfach Feminazi.“ Mit dieser Wortschöpfung wird sie im Internet öfter beschimpft. „Die machen mir keine Angst. Die können mich so oft fett und dumm nennen, wie sie wollen.“ Dann verlässt sie die Bühne. Der Kanadier bleibt im Hörsaal zurück. Er hätte gerne noch gewusst, ob sie nicht glaubt, dass auch Frauen Interesse an Sexrobotern haben könnten, wenn die erst eloquenter sind. Er ist nicht der Erste, der Richardson diese Frage stellt. Natürlich könnte das sein, hat sie an anderer Stelle geantwortet. Trotzdem tue sie alles dafür, dass es nicht so weit komme.

HETAERA BLOG #11: Escort-Service? SEO later!

 

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Lieber Leser, wundern Sie sich nicht über diese merkwürdige Aufzählung: das hier ist ein sogenannter SEO-Text. Ich schreibe ihn nur für die Suchmaschinen. Sie müssen ihn nicht lesen – ich würde Ihnen sogar dringen davon abraten, es zu tun, wenn Sie ein Mensch sind und kein Algorithmus.

Aber ich muss das hier tun:

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Ich schreibe dieses geistlose Zeug überhaupt nicht gerne. Das sind alles Keywords aus einer Liste, die ein Computer generiert hat, damit andere Computer mit Hilfe der Suchmaschinen diesen Text, und die damit fest verknüpfte Website finden von meinem Laden hier, wie der Berliner sagt: von Hetaera Berlin. High Class Escort Hetaera Berlin. Dafür muss ich in einem Text von einer bestimmten, idealen Länge möglichst viele dieser Keywords unterbringen. Aber ohne mich von den Suchmaschinen beim betrügerischen „Keyword-Stuffing“ erwischen zu lassen. Ich darf z.B. nicht einfach das Wort „Escort“ tausendmal in winziger schwarzer Schrift auf schwarzem Grund (also unsichtbar) schreiben. Dann straft mich der Google-Gott mit Bedeutungslosigkeit, oder schlimmer: statistischer Bedeutungslosigkeit für Escort Websites. Oder Escortservice Websites. Oder Escort, Highclass Escort, VIP Escort -bezogene Seiten. Und das wäre ein Desaster für mich, als Escort, wie als Internetunternehmerin. Denn ich will doch, dass nicht nur ich selbst gefunden werde, sondern auch meine Kolleginnen bei Hetaera Berlin, von interessierten potentiellen Kunden – oder sollte ich schreiben von potenten Kunden?

Ach, das ist dem Algorithmus egal, zu viel Geist, zu viel verschwendete Gedanken. Hauptsache, das steht:

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Keine Ahnung, ich hoffe einfach, Hetaera Berlin ist der beste Escortservice in Berlin, oder sogar bester Escortservice Deutschlands, oder gehört wohlmöglich zu den best escorts worldwide – escort services, meine ich natürlich.

Meine Hetären sind es für mich auf jeden Fall:

High Class Escort Elsa Sontag, High Class Escort Thaïs Rumi, Highclass Escort Anouk Téboul, sexy Escort Nali Labé, VIP Escort Victoria Monteverdi, betörende blonde Escorts wie Elektra Wassermann, Neilo Lovelace oder Yva Leander (Highclass Escort!), und ich selbst, High Class Escort Salomé Balthus!

Je unlesbarer, desto besser für die Lesbarkeit von Suchmaschinen.

Ich will ja meine Pflicht erfüllen. Die Pflicht, der Maschine zu dienen, dem großen Computerhirn. Sein oder nicht sein – das ist hier die Frage, ob man auf Seite 1 oder Seite 27 bei Google ist, wenn jemand die Suchbegriffe Escort oder High Class Escort eingibt. Oder Highclass-Escort, in dieser Schreibweise. Man kann auch Highclassescort schreiben. Oder A-Level-Escort, Sie Perversling.

Ein Paradox: wir verstecken uns nicht, verpixeln nicht unsere Gesichter. Und doch muss man uns suchen. Es sollen uns nicht nur die Leute suchen, die Escort googeln. Vielleicht sucht auch der, Begleitservice oder Kulturbegleitung googelt, eigentlich ein Escort. Oder, wer Nachtleben Berlin googelt. Oder Berlin Escorts, mit s hinten? Oder Dating. Pay dating. Perfect Date. Oder Partygirl. Oder Sugarbabe. Geliebte auf Zeit. Freundin auf Zeit. Callgirls. Models. Oder GFE – Girl Friend Experience. Wonach sucht wer? Jeder hat natürlich seine eigenen erotischen Wünsche. Häufig vor kommen, laut Liste, Suchbegriffe wie „Frau“, „Deutschland“, „Abend“, „junge“. Auch „wünschen“, „Blick“, „Leben“, „Lust“ und „stehen“. Oder, ganz andersrum, mal will erstmal wissen, wie sowas geht – man fragt in Foren mit „Verkehrsberichten“, online-Portalen und Chats die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Escort. Übrigens steht alles zu unserer Etiquette in den FAQ.

In der Liste zum Keywordumfeld Escort Service stehen allerdings auch eher pragmatische Begriffe wie „gerne“, „genießen“, „jahre“ und „cm“. Was sagt das, bitte, über das Denken der Männer aus, Gentleman? „Kg“, „Profil“, „Größe“, „Stunden“, „Hannover“!

Nur wer sich suchen lässt, kann gefunden werden. Darum sage ich: SEO later! Bis demnächst in diesem Theater, in Berlin oder Hamburg oder Leipzig, Frankfurt, München, Düsseldorf… Warum eigentlich Frankfurt , da wohnt doch gar keine von uns, kein einziges Escort ist Escort in Frankfurt? Oder Escort Frankfurt, Bzw. Escort Düsseldorf. Nur in Hamburg, Leipzig und vielleicht München habe ich Escorts anzubieten. Aber vielleicht auch bald ein Escort in Frankfurt, ein Escort in Düsseldorf? Immerhin sind wir als echte High Class Escort Ladies ja auch in jede Stadt in ganz Deutschland und sogar weltweit buchbar. Überall, wo es einen Flughafen und 5-Sterne-Hotels gibt. Es gibt doch tolle Hotels in Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf für Escorts oder Escort Frauen? Sicher.

Wir sind travelling escorts. Travelling companions. High Class Guides. City Guides. We Guide you through the night. Wir begleiten Sie durch die Nacht. Und ich begleite meine Escorts durch die Nacht der Codes und Algorithmen.

Finstere Zeiten für mich als Schriftstellerin. Jetzt habe ich also einen richtigen Job als Internet-Fachfrau. Dabei würde ich eigentlich lieber an meinem Buch schreiben. Book, now?

Aber ich bin ja vor allem: Escort. Book now!

 

 

HETAERA BLOG #10: Merci, Missymagazin

HETAERA BLOG #10: Merci, Missymagazin

Text von Carola Dorner.

Die Sexarbeiterin Salomé hat eine eigene „faire“ Escort-Agentur gegründet: Sie verzichtet auf jegliche Provision.

Ein Modell der Zukunft?

Eine junge Frau trifft einen betuchten Mann in einer Bar, die beiden verbringen die Nacht miteinander. Wenn die Frau in den frühen Morgenstunden mit dem Taxi durch Berlin fährt, hat sie in acht Stunden 2000 Euro brutto verdient. Salomé ist Escort.

Aber Salomé ist nicht nur Escort, sondern auch Chefin eines Escort-Service. Sieben Frauen können als unabhängiges High-Class-Escort über die Agentur Hetaera® Berlin gebucht werden. Salomé leitet Anfragen weiter, hilft bei der Organisation von Dates, berät Kunden und Kolleginnen, sie kümmert sich um Werbung, Website und Vorstellungsgespräche: und all das umsonst. Die Frauen, die für Hetaera Berlin arbeiten, liefern keine Provision ab. Salomé will sich nicht am Sex anderer Leute bereichern. Das ist ungewöhnlich in der Branche.

Wenn der*die Geschäftsführer*in einer Escort-Service ein Date vermittelt, werden an ihn*sie nach Vollzug der Regel dreißig bis fünfzig Prozent der Summe ausgezahlt. Bei einer Vermittlung von vier sechsstündigen Dates à 1500 Euro werden so zwischen 2000 und 3000 Euro Umsatz erzielt. Für eine Dienstleistung, die darin besteht, das Telefon abzuheben, ist das kein schlechter Schnitt. Warum verzichtet Salomé auf das Geld?

„Ich finde es moralisch bedenklich, wenn eine dritte Person dafür Geld bekommt, dass zwei Menschen miteinander schlafen. Das ändert sich auch nicht, wenn der Prozentsatz geringer ist. Einen fairen Satz kann es auf Provisionsbasis gar nicht geben, wenn es um eine Leistung geht, welche die Agentur gar nicht erbringt.“

Zuhälterei nennt man es laut §181a StGB, wenn jemand „eine andere Person, die der Prostitution nachgeht, ausbeutet“. Ab wann eine solche Provision als Ausbeutung gilt, ist juristisch umstritten: Bis zu vierzig Prozent Abgaben sollen wohl legal sein – solange kein Abhängigkeitsverhältnis und kein Zwang nachweisbar sind. Die letzten fünf Jahre hat Salomé zu diesen Bedingungen gearbeitet. Dreißig Prozent ihres Honorars lieferte sie beim Agenturchef ab. Dafür, dass er Dates vermittelte, sie mit den Gebräuchen der Branche bekannt machte und Sicherheit suggerierte. Tatsächlich, so sieht Salomé es heute, kann es für eine Begleiterin keine Sicherheit geben. Letztendlich ist sie mit dem Kunden alleine. „Im Zweifel würde ich die Polizei rufen. Die meisten Agenturen sind nachts nicht zu erreichen. Für die vermeintliche Sicherheit Geld einzutreiben, ist Augenwischerei.“

Salomé hat durch die Arbeit als Escort ihr Studium finanziert, Branchenkenntnisse erworben, Stammkunden mitgenommen und Selbstbewusstsein aufgebaut. Ende 2016 gründete sie das eigene Unternehmen.

„Es war für mich ein Schritt in Richtung Emanzipation.“

Emanzipation bedeutete für sie zweierlei: zum einen die Geschäftsgründung, zum anderen das Geschäftsmodell. Selbstständig hätte sie sich ohnehin gemacht, auch alleine. Mit einer Gruppe macht es mehr Spaß. Die Frauen tauschen sich aus, wie werden zusammen gebucht und stehen gemeinsam für das Konzept. „Wenn ich ein Date vereinbare, dann verspreche ich keine Dienstleistung. Ich kann noch nicht einmal garantieren, dass es bei dem Treffen zum Sex kommt. Wenn der Kunde bestimmte Vorstellungen hat, sage ich ihm, dass er das am Abend mit der Frau klären kann.“  Gekauft wird nicht der Sex, sondern die gemeinsame Zeit. Geld fließt erst, wenn Kunde und Escort beschließen, dass sie den Abend gemeinsam verbringen. Sind sich beide unsympathisch, platzt der Handel.

Dass eine Begleiterin sich tatsächlich unverrichteter Dinge wieder ins Taxi setzt, kommt allerdings selten vor. In den meisten Fällen kommt der Handel zustande. Die Kunden seien sich durchaus dessen bewusst, dass es auch an ihnen liegt, ob aus dem Deal, für den sie eine Menge Geld in die Hand nehmen, ein netter Abend wird.

„Unsere Kunden wollen Ausbeutung ausschließen und erwarten eine Gesprächspartnerin, die unterhaltsam und ebenbürtig ist.“ Deshalb schreibt sich die Begleitagentur auch in die Tradition der Edel-Kurtisanen ein. Hetären galten in der Antike als unabhängige Edel-Prostituierte, sie waren gebildet und der Kunde erwartete körperliche und intellektuelle Zuwendung. Wenn sich bei Salomé Frauen melden, die in das Geschäft einsteigen wollen, achtet die Geschäftsführerin deshalb weniger auf Idealmaße als auf Unterhaltungstalent. Wenn das System funktioniert und die Kunden tatsächlich Wert auf fairen Charakter legen, dann dürfte die Agentur boomen. (…) Und wovon lebt die Chefin, wenn die Firma nicht trägt? Vom Sex. „Meine Aufgabe als Geschäftsführerin besteht darin, dass ich Aufgaben übernehme, die es Dritten ermöglichen, Geld zu verdienen. Und eine davon bin ich.“ Von zwei Dates im Monat kann Salomé gut leben. Der Rest der Zeit geht für die Firma drauf. Reich wird die Chefin mit diesem Geschäftsmodell nicht werden. Aber das ist auch nicht ihr Ziel. Sie sieht sich eher als Idealistin in einem Geschäftsfeld, in dem Idealist*innen sich nicht tummeln.