Callgirls of Berlin

Beyond definition

 

High Class Escort – ein Phänomen. Das Konzept der Luxus-Begleitung  –   nennt man es nun Escort, Begleitservice, High Class Escort oder VIP-Escort – ist ein Produkt des gesellschaftlichen Wandels der Prostitution in der Geschichte der Moderne und der Entwicklung der Großstädte. Industrialisierung, Urbanisierung und schließlich die digitale Revolution haben nicht nur das Leben und die Rolle der Frau verändert, sondern auch den Konsum von käuflichem Sex.

 

Paris 1877:

Die Haute-Bourgeoisie übernimmt die Spielzeuge des Adels

Die Frau vor dem Schminkspiegel ist lediglich mit Seidenunterwäsche und hochhackigen Schuhen bekleidet. In der linken Hand hält sie einen Lippenstift, in der rechten eine Puderquaste, an einem Finger trägt sie einen Ring. Der kleine Finger ist vornehm und fast ein wenig keck abgespreizt. Ein dickes Goldarmband gleitet ihren nackten weißen Arm herunter. Die Frau auf dem Gemälde hat schon viele Male so posiert. Edouard Manets 1877 entstandenes Meisterwerk lässt keinerlei Zweifel an ihrer Profession. Zumal ein im Hintergrund auf die Tapete gemalter Kranich zusätzliche Hilfestellung gibt: Une grue ist ein französischer Slangausdruck für eine Prostituierte. Ein Herr mit Seidenzylinder und Abendanzug sitzt auf einem mit Samt bezogenen Sofa und betrachtet die Frau. Sie weiß genau, dass er ihr herausforderndes Hinterteil anstarrt. Ihr Blick geht in eine andere Richtung, als würde sich ihn ihrem Boudoir noch ein weiter Mann befinden, den wir nicht sehen. Dieser Mann – also wir, die Betrachter – genießt den Anblick der Frau ebenfalls. Sie weiß es und steht gern dort. Sie ist eine selbstständige Frau, von keinem der Männer abhängig, von denen sie begehrt wird. Aber ganz frei ist sie nicht. Um sich Kunden aussuchen zu können, ist sie abhängig von ihrer physischen Attraktivität. Nana heißt die Frau auf Edouard Manets Bild.Er nannte sie nach einer Hure, über die er bei Émile Zola gelesen hatte; schließlich sprach damals das gesamte literarische Paris von Zolas Roman.

Dass es in dieser Epoche zu einer Blüte des Liebes-Gewerbes in den Städten kam hängt nicht zuletzt mit der ideologischen Entwicklung der Medizin zusammen. Im Vergleich mit ihren Kollegen ein Jahrhundert zuvor, waren die Ärzte des 19. Jahrhunderts ausgesprochen sexualfeindlich. Sie bekämpften die Masturbation und rieten verheirateten Frauen, nicht mehr als einmal im Monat mit ihrem Mann zu schlafen. Die Frauen sollten in erster Linie Mutter sein, und es galt als nachgerade unschicklich wenn sie Freude an der Sexualität empfanden. Eine Frau, die ihr Sexualleben genoss, würde schon bald an Geschlechtskrankheiten leiden, behaupteten die Ärzte. Sexueller Genuss war für eine Frau beinahe so gefährlich, wie Masturbation für einen Mann. Auf der anderen Seite bekamen Männer den ärztlichen Rat, mindestens jeden vierten Tag Geschlechtsverkehr zu haben. Die Mediziner des 19. Jahrhunderts trugen somit stark zum Aufschwung des Prostitutionsgewerbes bei. Es gibt berechtigten Grund zu der Annahme, dass französische Männer zu dieser Zeit mehr Sex mit Escort – Damen hatten als innerhalb ihrer Ehe.

„Die Warenform tritt als der gesellschaftliche Inhalt der allegorischen Anschauungsform bei Baudelaire zutage. Form und Inhalt sin in der Dirne als in ihrer Synthesis eins geworden.“

So charakterisiert Walter Benjamin im Passagen-Werk die Figur der Prostituierten, die in den fünfziger und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts so häufig in Baudelaires Lyrik auftaucht. Manets Bild ist eine Spur zu schön, um Baudelaires Gedichte zu illustrieren, Nanas Blick jedoch ist der Blick der Großstadt, wie Baudelaire sie beschreibt. Die professionellen Prostituierten des 19. Jahrhunderts entwickelten diesen urbanen Blick als erste. Nana ist einladend und berechnend, fern und nah und trotz aller Intimität weit weg.

Es kommt nicht von ungefähr, dass das Thema der Prostitution und der Figur der Kokotte, der Demimonde einen zentralen Platz in der zeitgenössischen Literatur einnahmen. In den französischen Romanen der Belle Époque, Nana von Émile Zola, Glanz und Elend der Kurtisanen von Honoré de Balzac oder Die Kameliendame von Alexandre Dumas begegnen wir Prostituierten als zentralen Figuren der Erzählung. Sie tauchen bei Viktor Hugo ebenso auf wie bei Eugène Sue, Paul Alexis, Alphonse Daudet oder Gustave Flaubert. Edouard Manets und Auguste Robins Bilder von Huren, Blumen- und Nähmädchen sowie Toulouse-Lautrecs derbe Frauengestalten werden als Beginn der Moderne in der westlichen Malerei gesehen. Die sich prostituierende Frau wurde für die französische Avantgarde zum Symbol der Modernität.

 

 

1963, London:

Christine Keeler und die ersten modernen Escorts

 

Seit den 60er Jahren sank die Zahl der Prostituierten, die in einem Bordell arbeiteten, auf nur noch eine von zehn. Der weitaus größte Teil arbeitete selbstständig und frei, in Bars, Restaurants oder Clubs. Callgirls: moderne Kurtisanen mit Telefonnummer. Diese Form des High Class Escorts ist eindeutig ein Nachkriegsphänomen. Sie sind ein Produkt der verschärften Prostitutionsgesetzgebung der fünfziger Jahre, des wirtschaftlichen Nachkriegsbooms, der erhöhten Anzahl von Geschäftsreisen in die Städte der westlichen Welt und einer verbesserten Telefontechnologie. Für mindestens die Hälfte von Ihnen wurde das Telefon zu dem wichtigsten Hilfsmittel. Zu Beginn dieses Phänomens seit den 50er Jahren gab es noch keine regelrechten Escort-Agenturen oder Callgirl-Vermittlungen. Pionierinnen wie Rosemarie Nitribit oder die Britin Christine Keeler „erfanden“ den Beruf der Kurtisane für die demokratische Gesellschaft neu.

Durch Keeler lernte ganz Europa das Phänomen des VIP – Escorts kennen. 1963 wurde der schockierten Öffentlichkeit die Beziehung des britischen Tory-Verteidigungsministers John Profumo zu dem Model Christine Keeler enthüllt. Der britische Nachrichtendienst war am meisten davon alarmiert, dass die junge Dame parallel zu Profumo auch Beziehungen zu einem Attaché der sowjetischen Botschaft unterhielt…

Im Sommer 1963 musste Profumo abdanken. Er schrieb dem damaligen Premierminister Harold McMillan, dass er gelogen habe, als er beteuerte, sein Verhältnis mit dem Escortgirl Keeler sei nicht anstößig gewesen.

Anstößig? Das war von Profumo doch wohl weit untertrieben. Die Zeitungen berichteten über Orgien mit Escort Ladies auf englischen Landgütern und in vornehmen Londoner Wohnungen. Auf einem Fest in Bayswater waren Christine Keeler, ihre Kollegin Mandy Rice-Davies und ein junger Herr namens Stephen Ward anwesend. Er hatte seinerzeit die Damen mit der gesamten konservativen Parteispitze bekanntgemacht. An diesem Abend hatte ein führender Politiker angeblich gebratenen Pfau zum Essen servieren lassen, er saß nackt am Tisch, nur mit einer Fliege und einer Maske bekleidet. Über seinem Bauch baumelte ein Schild mit der Aufschrift „Whip me!“

Bei einer anderen Gelegenheit hatten acht Richter des obersten Gerichts an einer Orgie mit einer Gruppe Escorts teilgenommen.

 

1984, New York:

Cachet, der Escortservice der Uptown-Girls

 

„Sehen Sie denn nicht, dass dies anständige Mädchen sind?“

wies ein älterer Richter in New York den zweiten Staatsanwalt Dennis Wade zurecht, als er im März 1984 drei hübsche junge Damen aus der Mittelklasse der Prostitution anklagte – Escort Ladies eines neuen Typus, wie ihn der legendäre Begleitservice „Cachet“ vertrat: exklusiv, für ein horrendes Honorar, und vor allem mit äußerst hohem Bewusstsein für Diskretion.

„Was erwarten Sie sich eigentlich von der Stunde, die Sie normalerweise mit einem Kunden im Hotel zubringen?“, wollte der Richter von einer von ihnen wissen.

„Ich erwarte einen Gentleman zu treffen, der mich mit Respekt behandelt“, lautete die Antwort. Dem Richter war es unangenehm, so schöne, modisch gekleidete Frauen über ihre sexuellen Beziehungen mit Herren aus führenden gesellschaftlichen Positionen in teuren Hotels zu befragen. Zumal sie weder Drogen nahmen noch etwas Härteres tranken als Champagner.

Prostitution ist in New York, wie in vielen anderen Staaten der USA, ungesetzlich. Wenn derartige „Damen“ bisher vor Gericht standen, hatte es sich um Girls von der Straße gehandelt, die in ihren Arbeits-Outfits erschienen: mit extrem viel Make-up, gefärbtem Haar, tiefem Ausschnitt und hautengem Latex-Dress. Viele Polizisten glaubten, dass sie im Recht waren wenn sie sich erst einmal gratis bedienen ließen, bevor sie die Huren aufs Revier brachten. Es gab Mädchen, die der Polizei so gut gefielen, dass sie zweimal pro Woche verhaftet und eingesperrt wurden. Gegen Bezahlung war es möglich, einer Verhaftung zu entgehen. Am schwersten war es für die farbigen Mädchen. Weniger als die Hälfte aller New Yorker Prostituierten war farbig, dennoch wurden farbige siebenmal häufiger in Gewahrsam genommen als weiße Frauen.

Dass sorgfältig gekleidete und frisierte, diskret geschminkte junge Frauen der Prostitution angeklagt wurden, kam in New York nicht jeden Tag vor. Der Richter war der Ansicht, dass der Staat nur wertvolle Zeit und viel Geld verlor, wenn man derartige Fälle überhaupt verfolgte. Darüber hinaus war publik geworden, dass eines der Mädchen von einem Polizisten zum Sex gezwungen worden war. Die Polizei war so wie immer vorgegangen, in der sicheren Annahme, dass Prostituierte es niemals wagen würden, über solche Dinge vor Gericht zu sprechen. Aber diese Frauen hatten Mut.

Das Begleitservice-Büro „Cachet“ inserierte in der International Herald Tribune. Über Geld wurde dort nicht gesprochen, doch Polizeibeamte hatten bewiesen, dass es möglich war, Prostituierte per Telefon zu bestellen. Vier Polizisten hatten einen ganzen Monat gebraucht, um dies herauszufinden – ziemlich viel Arbeitszeit für ein mageres Resultat. Der Richter verwarnte die Polizisten, ließ die Anklage fallen und schickte die Frauen nach Hause. Doch der Polizeibeamte Elmo Smith arbeitete weiter an der Sache. Im Laufe des folgenden Jahres wurde er zur Parodie eines Action-Helden: er beauftragte das ungenehmigte Anzapfen der Telefone, brach Wohnungen auf, schlug Türen ein und bedrohte Mädchen mit gezogener Pistole. Elmo wollte den Ring sprengen, kostete es was es wolle. Und genau genommen kostete der Einsatz von Elmo und seinen Männern den Staat ungefähr eine Million Dollar.

Im März 1985 wendete sich die 33-jährige Sidney Biddle Barrows an den Staatsanwalt, in der Hoffnung, dadurch weiteren Unannehmlichkeiten zu entgehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei ohne Durchsuchungsbefehl ihr Büro und ihre Wohnung durchsucht, die Türen eingeschlagen, ihr Büroinventar und die Toilettenartikel konfisziert und die Telefonistinnen zu Tode erschreckt. Sie war nicht zu Hause gewesen, also zerrissen die Polizisten auch ihre Unterwäsche und „testeten“ ihr Bett, bis es kaputt war.

Zur Gerichtsverhandlung erschien Biddle Barrows mit ihrer Anwältin. Die Presse war informiert. Man erwartete eine Bordellwirtin, und niemand realisierte, dass eine dieser eleganten Damen die Angeklagte war. Das schiere Entsetzen durchzuckte Amerikas High-Society, als bekannt wurde, dass ausgerechnet eine Biddle Barrows, ein Spross aus den altehrwürdigen mit der Mayflower eingewanderten Geschlechtern, die Chefin des exklusivsten und erfolgreichsten Callgirl-Rings der Vereinigten Staaten war. Sie war auf exzellente Schulen gegangen, und einige ihrer Vorfahren hatten zum Kreis um George Washington gehört. Sydney hatte an Zusammenkünften im exklusiven, vornehmen Mayflower Club teilgenommen und mit dem jungen New Yorker Geldadel Tennis gespielt. Wie, so fragte die Presse und mit ihr die feine Gesellschaft, konnte das passieren? Stand ihr Name nicht im Social Register, wo verzeichnet ist, wer in den USA wirklich dazugehört? Dabei hätte die Upperclass auch jetzt noch Grund genug, auf das Kind aus ihrer Mitte zumindest ein wenig stolz zu sein: Keine Escort-Agentur führte so schöne und gescheite Mädchen in seiner Kartei wie die Madam mit der teuren Privatausbildung; keines war so perfekt gemanagt, keines zählte so viele hochgestellte Persönlichkeiten von Rang und Namen zu seiner Stammkundschaft.

Anfangs gingen Staatsanwalt und Gericht mit der gebührenden moralischen Entrüstung gegen „das sittenlose Unwesen“ vor. Als jedoch die Existenz der Kundenliste mit ihren 3000 Namen bekannt wurde und Sydneys Anwältin damit drohte, sämtliche Klienten – darunter auch zahlreiche Organe der Rechtspflege – als Zeugen zu laden, erlahmte der Eifer der Justiz. Schnell und unbürokratisch entschied das Gericht auf eine Ordnungsstrafe von 7500 Dollar, offiziell war der Fall damit erledigt.

Der Name „Cachet“ war bewusst gewählt, weil ihn viele nicht richtig aussprechen konnten und unerwünschte Kunden so bereits am Telefon aussortiert werden konnten. Die Finanzzeitung Barron´s war das einzige Blatt, das den Fall nur unter geschäftlichen Aspekten untersuchte, und das professionelle Management und die routinierten Geschäftsabläufe lobte. Cachet hat 1979 den Betrieb aufgenommen. Alle Mädchen hatten eine gute Schulbildung, studierten Jura oder Wirtschaft, andere hatten Jobs in Makler- oder Anwaltsbüros oder beschäftigen sich mit Tanz oder Schauspiel. Nicht alle waren überwältigend schön, aber alle waren intelligent und hatten Stil. Sie sahen aus wie die typischen „Uptown Girls“: Gut angezogen, selbstsicher, ein wenig versnobt. Alle Damen waren langbeinig und mussten beim Job stets kurze Röcke und hochhackige Schuhe tragen – niemals Hosen. Dafür trugen sie die eleganteste Unterwäsche von New York, dazu Strumpfhalter und Strümpfe ohne Nähte oder Muster. Sie waren diskret gekleidet, mit einfachem, aber echtem Schmuck, und lackierten sich die Fußnägel rot, die Fingernägel hingegen blieben unlackiert. Häufig trugen sie Hüte oder Handschuhe und erschienen mit einer Aktentasche oder dem Theaterprogramm in der Hand. Sie sprachen akzentfrei und hatten eine perfekte Körperhaltung. Ein Cachet-Mädchen war garantiert nicht feministisch. Nach dem Sex hatte sie (angeordneter Weise) noch einen Augenblick im Bett zu bleiben und nicht gleich ins Bad zu verschwinden – auch wenn sie noch andere Kunden am selben Abend hatte. Dass dem so war, war eines der bestgehüteten Geheimnisse der Agentur. Die Damen hatten sich an 3 Tagen in der Woche von 18 Uhr bis 1 Uhr nachts perfekt gestylt bereit zu halten, um innerhalb von 10 Minuten in ein Taxi springen zu können, falls es kurzfristige Anfragen gab. Nach dem Sex im Hotel sollte nur das Make-up aufgefrischt werden – geduscht wurde erst zu Hause, um dem Kunden nicht das Gefühl zu geben, es wäre etwas Schmutziges geschehen. Die genauen Abläufe im Hotelzimmer waren genau vorgeschrieben – eine Tatsache, die den meisten Kunden kaum bewusst gewesen sein dürfte.

Die Agentur war bekannt für ihre großen, blonden Frauen im besseren Mittelklasse-Look. Auch einige dunkel- oder rothaarige oder asiatische Mädchen galten als „vermittelbar“. Schwarze oder puertorikanische Frauen hingegen waren ausgeschlossen, ganz egal, wie gebildet und stilsicher sie auch sein mochten. Hier zeigt sich der typische Rassismus des amerikanischen Großbürgertums, von dem auch eine unkonventionelle Frau wie Biddle Barrows sich nie befreien konnte.

 

2016, Berlin:

Hetären statt Callgirls

 

Cachet hatte den Glamour der 80er. Es repräsentierte genau die Art von Snobismus, die man in den besten und zweitbesten Kreisen der amerikanischen Ostküste erwartete – und auch den der Betreiberin unbewussten Mangel an Tiefe, an echter Bildung, die Verwurzelung in der Welt der Kunst und Hochkultur, Literatur und Philosophie. Die strenge Akkuratesse der Details, die ganze Planmäßigkeit und Kontrolliertheit des Ablaufs rührt von der Unsicherheit auf dem intellektuellen Gebiet, die durch diese buchstäblich „kaschiert“ (franz. caché) werden musste.

Und auch Paris, wo es diese Kultur geben könnte, ist nicht mehr Paris! Seit 2016 ist Prostitution in Frankreich verboten – nachdem sie seit dem zweiten Weltkrieg immer mehr eingeschränkt wurde – zunächst abolitionistisch-naiv, dann immer unverhohlener feindlich, mit den konservativen Vorzeichen des Hasses auf die Frauen der Unterschicht, denen eine weitere Chance des sozialen Aufstiegs in der undurchlässigen französischen Klassengesellschaft verwehrt ist. Es gibt zwar noch einige wenige Luxus-Escorts (wie auch nicht), aber diese agieren illegal und im Geheimen. Sie können weder öffentlich repräsentieren noch gar eine Kultur prägen. 

„Die Prostitution abschaffen heißt eine der Säulen der sozialen Ordnung abzuschaffen. Das heißt die Ehe unmöglich zu machen. Ohne die Prostitution die der Ehe als Korrektiv dient wird die Ehe untergehen und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft. Die Prostitution abzuschaffen: das ist für die europäischen Gesellschaften einfach ein Selbstmord.“ (Michel Houellebecq)

Pariser, die eine Kurtisane oder ein Escort suchen, ohne sich strafbar zu machen, verlassen heute paradoxerweise die Stadt der Liebe, und kommen nach Berlin. Bienvenue!

Ja, wir sind durchaus anmaßend, aber mit Hetaera wollen wir wirklich etwas Neues. Unsere eigenen Seiten in der Geschichte der Prostitution. Wenn für andere Leute Berlin ein Arbeitsplatz sind, ist für ein Escort Berlin – ein Spielplatz! Wir sind weniger restriktiv als die professionell durchorganisierten Agenturen der 80er. Die Frauen müssen sich nicht wie Angestellte als Aushängeschilder der Firma verhalten, dafür spielt Spaß und Selbstbestimmung eine größere Rolle. Dies entspricht einer emanzipierteren Männerwelt, die sich weiter entwickelt hat hin zu mehr Respekt gegenüber Frauen, auch und gerade beim Sex. Auch haben wir nicht solche Künstlernamen wie die der Cachet-Girls, die für einen bestimmten Typ stehen: so wie eine „Alexandra“ ein imponierendes, großes blondes Geschöpf war, eine „Nathalia“ der Typ der slawischen Dunkelhaarigen, und eine „Sonja“ oder „Kristin“ Skandinavierinnen mit aufregendem Akzent. Wir verwenden auch keine Namen aus Seifenopern wie Heather, Kelly oder Melissa… Wir verzichten getrost auf fiktive Berufsangaben mit Rücksicht auf das „männliche Kopfkino“ wie Stewardess, Fotomodel oder Kunstgeschichts-Studentin. Schließlich verbringen wir mit den meisten Kunden mehr als nur zwei Stunden, und diese nicht allein in horizontaler Lage, sondern auch im entspannten Gespräch. Das Ziel ist auch nicht nur ein einmaliges Date, sondern eine dauerhafte Bindung und echte freundschaftliche Nähe – da würden hohle Konstrukte schnell entlarvt. Dafür sind wir wirklich Künstlerinnen und Geisteswissenschaftlerinnen – keine Sekretärinnen, Anwältinnen oder BWL-Studentinnen. Spezielle, seltene Typen, die das kreative Flair Berlins verkörpern. Und von unseren kreativen Berufen allein nicht leben könnten – wären wir nicht auch Lebenskünstlerinnen, die das gesellschaftliche Stigma weniger scheuen als einen normalen Bürojob.

Im Gegensatz Cachet, die jede persönliche Beziehung zwischen Escort und Kunden systematisch zu unterbinden suchten. Dies hing natürlich mit der Befürchtung zusammen, die Mädchen und Kunden könnten sich privat verabreden und die Agentur so um die Provision prellen, die immerhin ganze 50% betrug – ein Problem, das es bei Hetaera nicht gibt, denn hier gibt es keine Provision und keine Profite Dritter.

Gemeinsam haben wir mit den Cachet-Frauen, dass auch uns nichts von normalen (heutigen) Business Ladies unterscheidet, wenn wir am Abend selbstsicher durch die Lobby eines 5-Sterne- Hotels in Berlin Mitte flanieren.

Anders als die puritanischen Callgirl-Ringe der 80er, und auch als die kalt berechnenden Kurtisanen der Belle Époque, sind wir offen für das Erkunden der menschlichen Psyche, für erotische Abenteuer, an denen wir mehr als nur professionellen Anteil nehmen. Wir verführen Paare und auch solvente, moderne Frauen, die endlich begreifen, dass sie ein Recht auf Lust haben jenseits der Verfügbarkeit für Ehemann oder monogamen Partner. Unser Manifest ist, dass auch wir dabei unseren Spaß haben dürfen, und nicht nur Dienstleisterinnen sein müssen.

Die Zukunft der Frau ist die Zukunft der Erotik – ein verheißungsvolles Abenteuer.

Sind Sie dabei?

 

 

 

 

 

 

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