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Verrucht, privilegiert, intellektuell

Hetären waren die freiesten Frauen ihrer Zeit.

 

Hetären, High Class Escorts

Zwei Hetären ?

Escort ist kein Phänomen der Moderne. Im klassischen Hellas konnte man sogar echten VIP-Modellen begegnen: Hetären, wörtlich übersetzt: „Begleiterinnen“, waren die Elite-Escorts der Antike. Sie spazierten nachmittags in der Gartenanlage zwischen der Akademie, wo die Philosophen verkehrten, und dem sich anschließenden öffentlichen Friedhof der Stadt. Die Grabmonumente wurden als private Briefkästen benutzt. Mit einem Kajalstift schrieb dann eine dieser Damen, die man heute wohl als Highclass-Escort bezeichnen würde, den Namen eines Mannes auf, den sie am Abend empfangen wollte. Der Kunde konnte auf dem selben Grabstein antworten. Am Abend empfingen Hetären ihre Kunden gern zum eleganten Gelage… in ihrem eigenen Haus, denn in Athen gab es weder öffentliche Hotels, noch einen Escortservice, der sich um die Organisation der luxuriösen Details kümmerte.

 

Die VIP-Escorts der Antike

 

Die Begleitung  einer Hetäre kostete gut hundertmal mehr als der schnelle Akt im Bordell. Doch diese Damen hatten auch erheblich höhere Ausgaben: Sie hatten eleganten Kleidung, kostbare Kosmetik, luxuriös ausgestattete Räume und mussten dekadente Feste finanzieren. Zudem brachten sie den Göttern große Opfer, eine Frage der gesellschaftlichen Reputation. Man stelle sich das gut Tausend Jahre später vor: ein Kirchenportal oder Fresco, das von einem High Class Escort gestiftet wurde…

Anders als die Straßendirnen und die Auletriden, die Models oder Animier-Girls des klassischen Hellas, hatten sie ihr eigenes Etablissement. In ihren Häusern verkehrte bei Festen und Banketten die ganze Galerie der Männer aus der Athener Oberschicht – VIPs wie Künstler oder Politiker inklusive. Die Aufgabe von Hetären war es, durch geistreiche Konversation, Scherze und künstlerische Darbietungen zu unterhalten, und auch beim Sex besonders kunstfertig und raffiniert zu sein. Auf diese Weise entstanden oft persönliche Beziehungen zu den Männern, durch welche die Hetären wiederum ihre Kenntnisse in Rhetorik, Politik und den Wissenschaften vertiefen konnten.

Aspasia, Phryne und andere griechische Hetären waren in vielerlei Hinsicht die ersten freien Frauen der Weltgeschichte. Vor ihrer Zeit gab es ägyptische, mesopotamische, lydische und persische Prinzessinnen, die dem Bildungsstandard ihrer Zeit entsprachen und tanzen, singen und repräsentieren konnten. Doch sie waren für diese Aufgaben geboren und erzogen worden. Bei den Hetären war es anders. Sie mussten sich innerhalb der Gesellschaft nach oben kämpfen, sie erkauften sich die Freiheit, verschafften sich eigenständig Bildung und trainierten ihre Körper. Ihnen gelang mit Hilfe der einflussreichsten Männer ihrer Zeit ein größerer gesellschaftlicher Aufstieg als jeder Prinzessin in den östlichen Reichen.

 

Staatlich anerkannt

„Liebe mich ewig, aber werde nicht eifersüchtig, wenn andere dasselbe tun!“ Diese Worte waren auf den Gürtel der Hetäre Hermione gestickt. Hetären stellten nicht nur die Elite unter den Prostituierten ihrer Zeit, vielmehr gehörten sie zu den einflussreichsten Frauen überhaupt. Umso mehr waren sie auch Verleumdungen ausgesetzt. So hieß es im 5. Jh. v. Chr. es gäbe überhaupt keine anderen Frauen als Luxus-Huren in Athen. Die Ehefrauen und höheren Töchter durften das Gyneikon, den Frauen vorbehaltenen Wohntrakt ihrer Häuser, nicht verlassen, sich weder auf der Straße noch vor den männlichen Gästen des Hauses zeigen. Die billigen Prostituierten hingegen waren in Bordelle verbannt. Es waren Hetären, die als einzige Frauen am öffentlichen Leben teilnahmen. Sie besuchten das Theater und öffentliche Veranstaltungen, und strebten immer mehr danach, ihren Einfluss auch politisch geltend zu machen. Auch wenn sie faktisch vogelfrei waren, genossen sie doch die Gunst einflussreicher Männer. Einer von ihnen war sogar Perikles selbst, der um ihretwillen seine Ehefrau verließ.

Die einzigen weiblichen Personen, die von den Männern des klassischen Griechenlands als nahezu gleichwertig akzeptiert wurden, waren geschulte Luxusprostituierte, die Hetären.

…aber gelegentlich feierten Hetären auch Feste, zu denen gar keine Männer zugelassen waren, sondern nur befreundete Hetären. Von einer solchen Damen-Party berichtet in einem Brief die Hetäre Megara ihrer Freundin Bacchis:

 

„Wir feierten lange im Schatten der Bäume, und obwohl ich früher schon viel getrunken habe, habe ich es doch noch nie so genossen. Am allerkomischsten wurde es, als Tryallis und Myrinna zu wetteifern begannen, wer am besten mit dem Hintern wackeln kann… wir veranstalteten auch andere Wettbewerbe… Später gingen wir durch die Straßen und machten alle möglichen Späße. Es endete in Deximachos´ Haus in der Straße der Goldschmiede, der Bursche hat nämlich gerade eine größere Summe von seinem Vater geerbt, wie du weißt…“

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