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Wichser

„Ich sehe, sie haben die Agentur gewechselt“

„Sie, Herr …? Sind Sie etwa auf Freiersfüßen?“

„Ach, von wegen Freiersfüße … das wäre ja schön… aber bei Hetaera ist mir ihr Bild untergekommen.“

„Ich falle ja von der Oberweite her durch ihr Beuteschema glatt durch. Schon in der Uni waren Sie bekannt als ein notorischer Jäger nach Busenwundern bei den Erstsemestern. Der Campus liegt ja nahe bei Ihrem Büro.“

„Da schätzen Sie mich falsch ein. Ich bin nicht mutig genug, so etwas zu machen. Aber ich spiele hin und wieder mit dem Gedanken – daher meine Information …allein, am Ende fehlt die Entschlossenheit.“

„Sie Ärmster. Soll ich Ihnen helfen?“

„Ach, Sie verspotten mich…“

„Sie unterschätzen mein großes Herz.“

„Jedenfalls unterschätze ich nicht Ihren Hintern. Sie wissen ja nicht, wie oft ich den in Gedanken vollgespritzt habe.“

 

 

#weinstein

„Sie wissen ja nicht, wie oft ich den in Gedanken vollgespritzt habe“

 

Der Herr, mit dem ich diesen Briefwechsel hatte, ist ein prominenter Intellektueller, den ich hier nicht outen werde. Auch, wenn er kein Kunde von mir ist, und ich darum streng genommen nicht zur Diskretion verpflichtet.

#weinstein macht #feminist

Heute zum Frühstück sah ich ein Interview mit ihm, in dem er erklärte, er sei Feminist. Offiziell! Er tut das in moralischer Empörung über Harvey Weinstein, dem mutmaßlich größten Wichser Hollywoods. Er sprach von einem moralischen Lehrstück. Frühstück, da denke ich an Rühreier, also eher an Rührstück statt Lehrstück, und bei Rühreiern denke ich an Sperma – eine Berufskrankheit, bitte um Verzeihung. Ich gebe zu: ich bin vorwiegend narzisstisch gekränkt, weil „mein“ Wichser nicht mein Kunde sein wollte. Nicht bezahlen wollte für seinen Orgasmus auf meinem virtuellen Hintern. Als High-Class-Escort weiß ich ja, dass mich die meisten Leute, die meine Bilder betrachten, nicht persönlich kennenlernen. Doch manche Fälle gehen über stille Bewunderung hinaus. Das sind die, wo mir die „Fans“ von den schönen Erlebnissen, die sie mit meinen Fotos hatten, unaufgefordert berichten.

Jedenfalls hatte es einen  interessanten Beigeschmack für mich, wenn er Dinge sagte wie: Gleichberechtigung von Frauen funktioniert nur, wenn die Männer auch mitmachen.

Und mitmachen tut er! Der neue „offizielle“ Feminist findet es gut, dass „wir jetzt endlich darüber reden“.  Und er endlich auch mal sagen kann, wie ekelhaft er es findet, wenn alte Herren in einem Arbeitsumfeld über anwesende Frauen reden.  Über Frauen zu reden mache sie zum Objekt. Eklig! Sleezy!

Das hätte auch nichts mit übersteigerter Empfindlichkeit zu tun. Den Einwand, dass Menschen ja häufig auch  über einander sprechen, auch Frauen über Männer, auch über die Körper von Männern, wischte der neue offizielle Feminist mit Bravour vom Tisch: Männer hätten das auszuhalten, weil sie ja schließlich nicht im Schnitt 20% weniger verdienen, nicht systematisch benachteiligt und in Führungspositionen dramatisch unterrepräsentiert sind. Und selbst, wenn die Frauen, deren #aufschrei wir hören – Hollywood-Millionärinnen, Staatssekretärinnen, Celebrities – heute wohl mehr Macht haben als so mancher einsamer Wichser auf Facebook, darf man ihnen die wohlverdiente Opferrolle nicht aberkennen, denn das wäre Inversion und besonders fies.  Und ich finde, irgendeine erfolgreiche Karriere-Feministin sollte diesem Musterschüler des Feminismus endlich eine Eins geben.

 

 

#metoo? Not me.

„Mein“ Wichser, hätte durchaus über das Kleingeld verfügt, um nicht wichsen zu müssen. Doch leider ist es so, dass es auf Geld nicht ankam. Vielmehr verschafft ein Wichser sich eine köstlichere Freude, als die, die man für Geld kaufen kann. Das Moment der Überraschung und der Unfreiwilligkeit, der Kitzel, sich etwas zu nehmen, was ihnen nicht freiwillig gegeben wird. Etwas schon genommen zu haben, bevor es einem wohlmöglich angeboten wird, im Rahmen eines Deals. Menschen wie Weinstein sind wie Kleinkinder, sie wollen das, was ihnen gefällt, unverzüglich haben und verstehen es nicht, wenn man es ihnen verweigert oder eine Gegenleistung erwartet. Alle schönen Frauen müssen verfügbar sein wie gratis-Apps, und zugleich wird Begeisterung vorausgesetzt für das Präsentieren der eigenen Geilheit. Auch diese ähnlich wie bei einem Kleinkind, das stolz ist auf den selbstproduzierten Inhalt im Töpfchen. Leider sind nicht alle Frauen bereit, die Mutterrolle für die ganze Menschheit zu übernehmen. Schon gar nicht für längst erwachsene Männer, die sich nicht von der Hoffnung trennen können, dass es ihnen irgendwann im Leben wieder so gut gehen möge wie damals an Mamas Titties.

Aber: vor solchen Männern müssen Frauen doch keine Angst haben. Sie wollen doch nur spielen. Nur wichsen, mehr geht bei ihnen nicht. Denn das Wichsen ist eine überaus vereinnahmende Tätigkeit, eine verschlingende Sucht. Sie lässt dem, der sich ihr ergibt, kaum Kraft für irgendetwas über das Wichsen hinaus. Zu viel Angst. Zu viel Kokain. – Ja, ich weiß ziemlich genau, dass Kokain oft eine Rolle spielt. Ganz egal, ob mich der Wichser und für mein Wichs-Vorlage-Sein bezahlt, oder eben nicht. Ich kenne ihn gut, diesen stieren Blick roter Augen, die verkrampfte Hand am weichen, nicht mehr penetrationsfähigen Glied. Kokain sorgt für die Hemmungslosigkeit des Wichsers, gibt ihm das Gefühl, dass er in seinem Exhibitionismus irgendwie toll und aufregend ist – während es ihm auf Dauer so sehr die Gefäße zerstört, dass mehr als Wichsen auch nicht mehr möglich ist, mit dieser wabbligen, tröpfelnden Schlaffschaft. Drogen sind schlecht. Sie machen Männer zu Wichsern.

Auch Weinstein: ein Wichser. Hat er eigentlich je eine Frau erfolgreich penetriert? Wenn ja, würde man doch davon hören? Doch es scheint sich bei ihm ja wirklich um den klassischen Fall eines Wichsers zu handeln: Was er tat, war Frauen schauen, sich selbst berühren und die jeweilige Frau das wissen lassen.  Etwas anders ist mir mit „meinem“ Wichser auch nicht passiert. Soll ich jetzt aufschreien, #metoo? Bitte nicht. Wie überzeugend währe eine Kurtisane, die sich über sexuelle Belästigung beschwert? Wichser stehlen unsere Zeit und Geduld. Aber, wie das folgende Beispiel zeigt, bleibt zumindest ein Trost: Wichser sind,  in den allermeisten Fällen: bloß Wichser. Völlig harmlos, wenn man es nicht persönlich nimmt. Und wenn die Karriere nicht davon abhängt.

 

 

Ein Lehrstück in (Anti-) Opportunismus

„Mein“ Wichser bezeichnet Weinstein dennoch als Vergewaltiger – vielleicht hat er mehr Einblick in den Fall und die Aktenlage, immerhin ist Weinstein noch nicht rechtskräftig verurteilt. Ihn öffentlich an den Pranger zu stellen, noch vor dem Urteil der Gerichte, sei nicht etwa Lynchjustiz, sondern ein Lehrstück in Anti-Opportunismus.

Und zugleich rügt er solche Heuchler, die sich als Feministen bezeichnen, um sich öffentlich rein zu waschen. Gut, dass er selbst weit davon entfernt ist.

Vielleicht war die Absage „meines“ Wichsers an ein echtes Date mit mir ja der Beginn einer tiefgreifenden gedanklichen Entwicklung, mit dem Wichsen innezuhalten, weil Frauen schließlich immer noch nicht gleich bezahlt werden? Und ich warte gespannt, ob er das schreibt, als selbstkritischen Beitrag zum Thema #HowIWillChange.

 

 

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