Von Nana Péché

 

 

 

 

Ich hätte dich gerne länger gesehen. Dein gut bedeckter Kopf kommt mir zuerst in den Sinn. Dein blondes Haar war kurz geschnitten. Dein Gesicht bestimmt und gelassen, du meintest jedoch, du seist aufgeregt, davon merkte ich nicht viel. Du hättest so etwas noch nie gemacht. Sex gehabt, fragte ich und lachte. Selbstverständlich hatte mein junger Mann, mein für nur zwei Stunden, in welchen wir uns sehr nah kamen, ja, auch Sex hatten vor allem Sex,  zuvor des Öfteren Liebe gemacht.

Ich wollte nicht viel reden, ich hätte dir Stunden lang zuhören können, wollte mich an diesem Tag aber nicht unterhalten. Du warst einer der klügsten die ich je hatte und ich hätte dich wahnsinnig gerne wiedergesehen.

Ein Jahr ist es her, dass wir zusammen fanden und du bist der erste, über den ich schreibe. Wir haben uns sehr schnell aneinander geschmiegt, zuvor nicht viel geredet. Ich fühlte mich hingezogen zu dir und du begehrtest mich enorm.

Es war ein wunderschöner Frühlingsabend, etwas zu heiß für die Jahreszeit. Ich war aufgeregt und wusste nicht viel über dich, ich weiß immer noch nicht viel und werde vermutlich auch nie viel wissen über dich, jedoch genug, genug wusste ich, um mich hinzugeben an dich.

 

 

 

Die Angst vor der Hure

 

Zunächst warst du nicht begeistert von der Idee, mich öffentlich an der Bar des Château Royal zu treffen, es wären vermutlich Kollegen von dir anwesend, hieß es. Oh nein, hätten diese in deiner Vorstellung mich doch wohlmöglich als Hure erkannt und wäre dir das vermutlich nicht grade angenehm gewesen. Einen anderen Grund, beispielsweise eine Ehe, bestand nicht. Gleich auf das Zimmer wolltest du, jedenfalls besprachen wir das im vorherigen Email-Austausch. Ich wunderte mich, könnte man mich doch manchmal für das anständige Mädchen halten, welches ich ja auch oft, vielleicht zu oft bin.

„Der Dummkopf hat wohl Angst, dass du aussiehst wie eine Hure, eine für alle als solche erkennbare  Hure“, meinte Salomé, nachdem ich verblüfft, dies kundtat, zwischen klirrenden Gläsern und angeregtem Austausch eines Hetären-Treffs.

Es kam anders, als ich mich ins Château Royal begab. Zunächst hatten wir Probleme einander zu finden. Ich wollte mich, aus Rücksicht, keineswegs an die Hotelbar begeben, welche nun wirklich nicht weit von der Hotellobby entfernt lag.
Wir hatten kommuniziert, uns dort zu treffen und dann direkt in sein Hotelzimmer zu gehen, natürlich und das muss ich hier eigentlich nicht schreiben, tue es aber trotzdem, da diese Frage immer wieder aufzuploppen scheint, kann ich mich jederzeit, wie bei jedem anderen Date auch, dafür oder dagegen entscheiden meine Zeit zu geben und noch viel mehr. Oder eben nicht.

So saß ich dann nun wenige Meter von der Hotelrezeption entfernt, ein paar Minütchen vor der geplanten Zeit, auf einem sehr gemütlichen Sessel. Ich trug ein rosafarbenes, kein knalliges, bis kurz über das Knie reichendes Kleid, mit vornehmen Ausschnitt, das Haar trug ich offen, große Kreolen schmückten meine Ohren und gepflegte Lederstiefel, mit winsigem Absatz kleideten meine Beine. Ich sah alles andere als nuttig aus, was auch immer das bedeuten mag, für jeden einzelnen.  Und so wartete ich, mit nur einer groben Vorstellung davon, wie du wohl aussehen magst, doch was du anhaben wirst und dein Alter kannte ich,  die Minuten vergingen und ich schaute umher und dachte mir, du würdest mich ja wohl erkennen. Die Zeit verstrich und von deinem bezaubernden Gesicht, das ich sowieso vielleicht erst mal hätte nicht erkannt, war keine Spur zu sehen.
Mittlerweile saß ich dort ganze 15 Minuten, wir hätten uns vor 10 bereits zusammen finden sollen. Ich war leicht irritiert und hatte leider auch keinen Zugang zu meinen Emails in diesem Moment und konnte dich dadurch leider nicht kontaktieren.
Weitere zwei Minuten vergingen und ein Mann, einer  von den anwesenden in dieser Lobby, wirkte mehr als interessiert an mir, kam aber nicht auf mich zu, sprach mich nicht an, aber sein Blick suchte mich immer wieder. Daraufhin stand ich auf und begab mich zu ihm. Er trug auch einen schwarzen Pullover und eine Brille, du meintest, dass ich dich an dieser Kleidung erkennen könnte, würde. Ich fragte den Herren, ob  wir denn Verabredet sein. Er wusste nichts, wollte mich aber gleich zum Essen einladen, er hatte einen französischen Akzent, wir sprachen Englisch. Ich lehnte dankend ab und begab mich wieder auf meinen Sessel. Aber nur für eine Minute, denn es war bereits viertel nach, wir waren für um Um verabredet, das akademische Viertel war verstrichen. Wurde ich versetzt, war etwas passiert? Nein! Ich stand auf und bahnte mir den kurzen weg nach draußen, und dort saßest du, es war ja auch warm und du dachtest, so könntest du mich dann sehen, wie ich ankomme. Vermutlich hättest du meine schwingenden Hüften, die Art wie ich gehe bewundern können, ich war jedoch ein paar Minuten früher da und somit konntest du mich nicht erleben, wie ich auf das Hotel, auf dich zu laufe.

Die Erleichterung auf meiner Seite war groß als ich vor dir stand, du mich erkanntest, sofort aufstandest und mich voller Freude begrüßtes. Sofort wurde dir klar, dass du wohl mit mir fast überall hättest hingehen können, ohne das mich je jemand als Hure hätte einordnen können.

Nur jene, die einer Hure mit einem liebevollen Blick begegnen, können mich, meiner Meinung nach, als solche erkennen.

Du  wolltest direkt mit mir an die Bar, doch ich wollte direkt mit dir auf das Zimmer.

Du:

„Wenn du jetzt weitermachst, dann komme ich, also lass uns stoppen“.

Ich:

„Das ist fantastisch, vielleicht höre ich nicht auf und dann kommst du eventuell später nochmal?“

Ich durfte weitermachen, und so kam es dann auch.