Salomés Blog

Das Kanarienvögelchen

Kinky Tory

Was das Tory-Ferkel wollte? Er wollte meine kurvige blonde Kollegin Alicia und mich für ein Spanking-Szenario. Falls Sie das Wort nicht kennen, Spanking, das sind Schläge auf den Po, den Arsch voll, den Hintern versohlt kriegen. Ein Fetisch, von dem man in meiner Branche weiß, dass er bei auf den Britischen Inseln geborenen, insbesondere bei Engländern, überdurchschnittlich häufig auftritt.

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Sich verhalten

Ich will nicht dazu gehören. Ich will keinen Respekt. Ich will nicht akzeptiert werden, nicht korrekt sein, nicht passen. Ich will das Ressentiment, den Hass aller, die von sich selbst sagen, sie seinen normal.

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Nackt unter der Gelbweste

Über uns Hedonisten ziehen sich bedrohliche Wolken zusammen, der dumpfe, christlich-heuchlerische Muff von politischer Korrektheit und angeblichem Gemeinwohl. Doch das Verbot dieses Karnevals bedeutet ja nicht Vernichtung der Erotik. Nur ihre Enddemokratisierung. Die herrschende Klasse beansprucht nicht nur allen Glamour und Glanz ganz für sich allein, sondern auch den Schmutz unserer Seele.

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Salomé Balthus Blog

 

Im Bergwerk, unter Tage. Die harte Arbeit im Kohlenstaub, Kumpel mit rußigen Gesichtern.
Bei ihnen ist ein Kanarienvögelchen, leuchtend gelb, das munter zwitschert. In einem Käfig, aber keinem goldenen. Bis das Grubengas kommt, unsichtbar und geruchlos, die tödliche Gefahr.
Das Vögelchen stirbt als erstes. Wenn das Gezwitscher verstummt, rennen die Kumpel.
Die Hure ist das Kanarienvögelchen in der Kohlenmine der Meinungsfreiheit.Die Hure ist das Kanarienvögelchen in der Kohlenmine der Meinungsfreiheit.

 

 

Willkommen auf meinen Blog!

An dieser Stelle sollte ich mich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht mal vorstellen. Einige kennen mich vielleicht aus den Medien, oder über meine Kolumne, deren Texte Sie hier in diesem Blog finden werden.

Ich bin keine Schreibtischtäterin, keine Feuilletonistin, keine von denen, deren Beruf es ist Meinungen zu haben. Ich habe zwar auch Meinungen wie jeder Mensch, vor allem unqualifizierte, aber ich werde mich hüten, den Leser damit zu behelligen. Ich erzähle lieber aus meinem Leben. Denn ich habe einen richtigen Beruf, da draußen in der wirklichen Welt, nicht im Elfenbeinturm des Kulturbetriebs. Ich verdiene Geld mit körperlicher Arbeit. Wobei, Arbeit… ich würde das nicht direkt als Arbeit bezeichnen, auch wenn der Begriff Sexarbeit der politisch korrekte ist. Aber muss eine Hure wie ich politisch korrekt sein? Das, soviel kann ich Ihnen versprechen, werde ich wohl niemals werden.

Ich bin Prostituierte. Meine Preise finden Sie auf meiner Website, sowie Fotos mit Serviervorschlägen. Es macht mir einen Heidenspaß, und ich lebe gut davon. So gut, dass ich es mir leisten kann, nebenbei genüsslich zu kolumnieren.

Ich will mich der Ehre würdig erweisen, in guten wie in bösen Texten. Ich will euer enfant terrible sein und das gute Kind meiner Eltern, la putain rouge und eine Hure von Welt, das Kanarienvögelchen in der Kohlenmine der Meinungsfreiheit.

 

 

Sie denken, ich bin nicht normal? Sie sagen, Salomé Balthus Blog ist nichts weiter als ein Werbeblock einer exzentrischen Ausnahme-Hure? Ich aber schwöre Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, jeder von Ihnen, der in einer größeren Stadt unterwegs ist, trifft dort täglich mehrere von meiner Sorte. Sie sitzen neben Prostituierten in der U-Bahn, stehen mit ihnen an der Supermarktkasse, sitzen im Theater neben Prostituierten. Nur dass es uns in keinster Weise anzusehen ist. Bei jeder Frau, egal, wie hübsch, wie jung, wie gut gekleidet, dürfen Sie sich heute fragen, ob sie einen Nebenjob als Prostituierte hat. Und abends, in Restaurants und Hotelbars, werden Sie das Escort selbst im Einsatz wahrscheinlich nicht erkennen. Wir sind unsichtbar, für den Uneingeweihten. Aber wir sind da, und wir sind viele, viele, viele!

Ich bin keine Ausnahmeerscheinung. Ich bin es vielleicht, weil ich hier diesen Blog schreibe – aber ich bin es nicht in meinem Beruf. Es gibt mehr Frauen wie mich, als Sie ahnen. Über meine Website Hetaera bekomme ich täglich bis zu drei Bewerbungen. Alle von gebildeten Frauen, die mehrere Sprachen sprechen, Abitur oder Universitätsausbildung haben. Sie sind ausnahmslos belesen, medienaffin, über das Weltgeschehen gut informiert. Sie stammen aus ganz normalen Familien der Mittelschicht, oder sogar aus der sogenannten besseren Gesellschaft.  Es macht anscheinend nicht nur mir einen Heidenspaß, und es würde vielleicht sogar auch Ihnen Spaß machen, verehrte Leserin – mal vorausgesetzt, Sie gehören zu den Menschen, denen Sex überhaupt Spaß macht, schierer Sex, nicht nur die Pärchen-Paarung mit romantischen Gefühlen. Dieses Sammeln von Ficks, von Schwänzen, die man hatte – traditionell ein Männer-Ding, aber auch für Frauen wie mich funktioniert es sehr gut. Der Kick, das erotische Abenteuer ohne direkte Konsequenzen, bezahlte One-Night-Stands, nur, dass man nicht vor der Clubtür anstehen und die Drinks selbst bezahlen muss. Getragen vom Zauber der Situation, die Komplizenschaft des Verruchten, wie früher als Kind beim Klingelstreiche machen, oder bei Doktorspielen. Es ist ein Rausch, ein Ego-Shooter, und zwar selbst dann, wenn der Kunde nicht so aussieht wie sich Serienheldinnen aus dem amerikanischen Privatfernsehen Mr. Right vorstellen. Man muss nicht Mutter Theresa der Escort-Branche sein und überfließen vor Selbstaufgabe, um sich der Monster zu erbarmen, die ein Escort buchen. Es sind keine Monster, es sind Männer wie Sie, verehrter Leser, bzw. es sind Ihre Männer, verehrte Leserinnen.

Prostitution ist längst keine Randerscheinung mehr. Sie ist ein Massenphänomen, und zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Wir, das sind: eure Bekannten, eure Nachbarn, eure Kolleginnen, eure Angestellten und eure Chefinnen. Eure besten Freundinnen. Eure Schwestern. Eure Töchter. Eure Mütter. Eure Geliebten.

Entweder wisst ihr es – oder ihr wisst es nicht, weil wir es euch verheimlichen müssen.
Wenn ihr es wissen wollt, dann zeigt zuerst Toleranz: beweist, dass ihr uns achtet, als Menschen und Mitbürger in einer wahrhaft liberalen Gesellschaft. 

Und sei es nur um eurer selbst willen: weil das Verstummen der Kanarienvögel nichts Gutes verheißt.