Ein pantheistisches Erlebnis
Von Holly Hirschfeld
War es ein erotischer Tagtraum, ist es genau so geschehen, oder entspringt es nur der Fantasie einer Berliner Nymphe?
Es war einer dieser Tage, an denen sich Holly selbst sagte „touch some grass“ und mit einem Buch in der Hand in die Natur zog. Abseits vom Großstadttrubel fand sie sich auf einer verträumten Lichtung wieder, gelegen an einem kleinen See. Ihr Blick fiel auf eine massive Trauerweide, die nah am Ufer stand.
Verbotene Gedanken
Die junge Frau starrte eine eine Weile auf den atemberaubende Baum mit seinen majestätischen langen Zweigen. Sie fragte sich, wie alt diese Weide wohl sei, 50 oder vielleicht sogar 100 Jahre alt? Schließlich entschied sie sich, dass sie genau hier den richtigen Ort zum Entspannen gefunden hatte, denn weit und breit war kein Mensch zu sehen. Sie zog ihre Sandalen aus und ließ sich ins Gras gleiten, zwischen den Wurzeln des Baumen, sodass sie sich mit dem Rücken an den Stamm lehnen konnte. Überraschenderweise war er sehr bequem, als würde die Rinde sich an ihren zarten Körper schmiegen.
Aber irgendwie konnte sie sich nicht aufs Lesen konzentrieren, sie spürte eine sich anbahnende Erregung zwischen ihren Beinen. Fast etwas beschämt legte sie ihr Buch ab und blickte sie sich um, um sich zu vergewissern, dass wirklich niemand in der Nähe war. Keine Menschenseele, nur das Wispern der Weidenzweige. Sie schob ihre Hand unter ihr Kleid und begann sich zärtlich zu berühren. Sie spürte wie ihre Erregung stärker und stärker wurde. Ihr Blick fiel auf eine Stelle vom Baum wo Wurzeln und Stamm sich nahezu verboten anboten, sich an ihm zu reiben. Ihre Wangen erröteten, was tat sie hier? Fühlte sich angezogen von einem Baum? Doch mit jeder Bewegung ihres Körpers am Stamm der Weide, verflogen ihre Bedenken mehr und mehr. Die Rinde fühlte sich warm und einladend ein, der tiefe, holzige Duft verzauberte sie. Holly bemerkte überhaupt nicht, wie die Weidenzweige ein Eigenleben entwickelten, dass nicht mit dem Wind zu erklären war. Denn es wehte kein Lüftchen. Ein Zweig kickte frech ihr Buch ins Wasser, als würde der Baum sicherstellen wollen, dass es keine Ablenkung gab. Die anderen schirmten sie ab, dass nun selbst ein zufällig vorbeikommender Spaziergänger nicht sehen konnte, was am Fuße des Weidenbaumes vor sich ging.
Einige Zweige begannen sich vorsichtig den Weg unter ihr Kleid zu bahnen, und Holly ließ sie gewähren. Sie hörte sich selbst leise stöhnen: „Bitte hör nicht auf“. Es war, als würde das Wispern der Weide nun lauter, fast wie ein tiefes, zufriedenes Lachen. Holly spürte, wie die Zweige nun fester, ja bestimmender ihren Körper umschlungen. Sie hörte den Stoff ihres geliebten Kleides reißen. Aber es war ihr egal. Ihre Lust war nun so groß, der leicht würzig-herbe Duft der Blätter, das Gefühl wie die Weidenzweige ihre nackte Haut umschmeichelten, war unbeschreiblich. Sie wünschte sich, das dieser übernatürliche Moment für immer währen würde.
Ein mächtigeres Gegenüber
Einige Zweige wanderten ihren Nacken entlang und legten sich etwas zaghaft um ihren zarten Hals, bis Holly begriff und willentlich nickte. Der Druck wurde nun stärker und ihr Atmen schwerer, während es sich zwischen ihren Schenkeln, wie eine anschwellende See anfühlte. Einige Zweige umwickelten ihre Handgelenke und zogen ihre Arme noch oben, andere zogen ihren Slip herunter. Schließlich stand sie nackt vor dem Baum, die Arme hinter ihrem Rücken verschränkt. Es war als würde der Weidenbaum Holly betrachten, ja mit seinen Blicken verschlingen.
Ihr Körper bebte vor Lust. Als sie vergeblich versuchte ihren Körper wieder an den Stamm zu drücken, wurde der Griff der Zweige um Ihren Hals und den Handgelenken nur strammer. Der Baum hatte nun die Kontrolle, sie konnte sich keinen cm bewegen. Doch mit jeder Faser ihres Körpers wollte sie es genau so. Denn etwas in ihr wusste, dass sie hier sicher war. Jederzeit könnte sie mit einem Zeichen, dieses lustvolle Spiel mit dem Wesen, dass so viel stärker, mächtiger war als sie selbst, beenden.
Der Griff um ihren Nacken wurde lockerer und sie schnappte nach Luft. Einige Zweige streichelten dafür nun ihre Brüste und umkreisten ihre aprikosenfarbenen Knospen, bis sie stöhnte. Die anderen suchten sich ihren Weg zu ihrem Schoß und fanden Einlass. Immer ein Zweig mehr und Holly genoss das Gefühl. Sie hatte keine Kraft mehr, noch einmal zu versuchen sich auf die Wurzelstelle vom Anfang zu winden, aber ihr Körper sehnte sich danach. Sie hauchte: „Nimm mich.“ Ein tiefes dunkles Rascheln zog durch das Geäst, fast wie ein Stöhnen. Im nächsten Moment zogen die Zweige sie fest und bestimmend an den Stamm und sie öffnete ihre Beine. Sie gab sich der Kraft und dem Rhythmus hin, die ihr der Baum vorgaben. Die Zweige umschlangen mit festen Griff ihre Hüften und in dem Moment, als sie zum Höhepunkt kam, wurde sie wieder lockerer. Was sie zuvor wollüstig nach Luft ringen ließ, fühlte sich nun zärtlich und beschützend an. Sie seufzte zufrieden und genoß eine Weile diese überirdische Umarmung.
Eine Nymphe
Die Sonne stand nun etwas tiefer, Holly musste wohl für einen Moment eingenickt sein. Das Kleid lag wie eine dünne Sommerdecke über ihrem Körper. Ihr Buch konnte sie nicht mehr finden, also entschied sie, vor dem Aufbrechen noch eine Runde im See zu schwimmen. Als sie aus dem kühlen Nass zurück ans Ufer und dem Schoß der Weide kam, presste sie glücklich einen Kuss auf die Rinde. Für einen Moment war es, als hätte sie im Stamm ein wunderschönes Gesicht gesehen. Hatte sie es gerade wirklich irgendwo in der Natur mit irgendeinem Baumgott getrieben?
„Komm, wann immer du Lust hast, zu mir zurück“, hörte sie ihn zwischen den Zweigen flüstern:
Du bist jetzt meine Nymphe.
Ohne Eile schlüpfte sie in das in Mitleidenschaft gezogene Kleid. Bevor sie ging, drehte sie sich um und erwiderte ihm: „Gerne komme ich wieder“, und fügte mit einem erhabenen Grinsen hinzu: „Aber ich bin keine einfache Nymphe, sondern eine Göttin.“