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Grunewald Schlosshotel, November 2017, morgens um 9. Jeanne und Salomé im Bett.

 

Jeanne und Salomé reden über Sex

 

JEANNE (räkelt sich): Late-check-out im 5-Sterne-Hotel! … Salomé, wach auf, er ist weg!

SALOMÉ: (stöhnt) Oh Gott, mir tut alles weh…

Jeanne und Salomé reden über Sex

 

 

JEANNE: (besorgt) Geht´s dir nicht gut?

SALOMÉ: Ist nur der Kater.

JEANNE: Kein Wunder. Du hast ja fast den ganzen Champagner alleine getrunken!

SALOMÉ: Eine Flasche für drei…

JEANNE: Weißt du, eben habe ich gedacht, ich müsste mir Sorgen machen…

SALOMÉ: Sorgen, um mich, warum?

JEANNE: Über deine Gesundheit! Escort ist ein Risiko-Beruf.

SALOMÉ: Ein Risiko für Alkoholismus?

JEANNE: Nein, das meinte ich nicht. Ich meinte wegen… du weißt schon… dass es dir… woanders weh tut.

SALOMÉ: Was, traust du dich etwa nicht, das Wort Muschi zu sagen?

 

Jeanne und Salomé reden über Sex

 JEANNE: Du hast mich erwischt… Untenrum war irgendwie eine Art Tabuthema. Zu Hause wurde früher immer schamvoll von der “Schnecke” gesprochen. Ich sage heute lieber Vagina.

SALOMÉ: Das ist ja erschütternd! Keine Sorge, bei mir ist alles in Ordnung. Aber auch nur, weil ich mich so gut kenne. Erinnerst du dich, als ich heute früh um vier nochmal ins Bad getorkelt bin? Egal, wie müde oder betrunken ich bin, ich halte nach dem Sex meine Pflege-Rituale ein. Und damit meine ich nicht Abschminken und Zähneputzen. Pass mal auf, ich zeig dir mein Necessaire…

 

 

 

 

Gemeinsam im Bad. Jeanne und Salomé sind in übergroße Bademäntel gehüllt, während Wasser in die Badewanne gelassen wird. Der Sex talk geht weiter

 

SALOMÉ: Zuerst benutze ich diese phantastische Waschlotion. Niemals würde ich Duschgel oder gar Seife für meine Pussy benutzen! Die würden mehr schaden als sie nützen, dann lieber nur klares Wasser. Hier aber sind Kräuter drin, die als natürliches Antiseptikum und Antimyotikum wirken.

JEANNE: Interessant! Ich benutze auch meist ein sanftes Waschgel mit rein natürlichen Inhaltsstoffen.

SALOMÉ:… anschließend benutze ich die hier: ich creme den Scheideneingang, die inneren und äußeren Schamlippen und den Damm richtig gründlich ein, damit die Haut sich beruhigt. Und manchmal benutze ich vorher zusätzlich die hier (Feuchtcreme). Denn gerade diese besonders zarte Haut macht ja einiges mit: erst rasieren vor dem Date, dann vielleicht Cunnilingus von einem, der Bartstoppeln hat, dann das heftige Reiben und die Dehnung beim Sex in der Missionarstellung…

JEANNE: Und wenn dann noch jemand seine Finger reinstecken will…

SALOMÉ:.. Kurzum, es gibt immer Reizungen und mikrokleine Verletzungen. Und dort können Keime eindringen, vor allem, wenn man so schmutzige Spielchen gespielt hat wie wir gestern!

JEANNE: Aber wir benutzen doch immer Gleitgel und Kondome. Und außerdem reinigt die Vagina sich doch selbst.

SALOMÉ: Richtig. Aber manchmal ist das Immunsystem auch ganz schön gefordert, wenn ich in derselben Woche einen Mann aus USA, einen Mann aus Südafrika, und dann vielleicht noch einen aus Indien treffen… da bekommt das Immunsystem schon ganz schön viele News!

JEANNE: Aber so viele Dates hast du doch nicht jede Woche!

SALOMÉ: Normalerweise reicht mir eins. Und davon erhole ich mich dann auch erstmal am liebsten drei Tage. Wusstest du eigentlich, dass die Prozentzahl der Geschlechtskrankheiten unter den Prostituierten in Deutschland nicht höher ist als die im gesamten Rest der Bevölkerung?

JEANNE: Du meinst…

SALOMÉ: Das bedeutet, dass diese Frauen, die um ein Vielfaches häufiger Sex mit wechselnden Partnern haben, ihre Gesundheit besser im Griff haben als Frauen, die Sex nicht zum Beruf gemacht haben.

JEANNE: Klingt logisch. Ist ja ihr Job. Und da sitzt du ja an der Quelle für Insider-Infos in Punkto Sex, Gesundheit, durch das Quatschen mit den Kollegen. Oder reden etwa Anwältinnen oder Verkäuferinnen in der Mittagspause auch über Kondome, Feuchtcreme und Verdacht auf Zysten?

SALOMÉ: Sicher nicht. Und auch mit ihren Freundinnen tun sie das nicht, das kannst du mir glauben. Und mit dem Partner schon gar nicht. Ich schwöre dir, wir sind regelmäßig die ersten, die unseren Kunden wirklich praktikable Tipps für safen Sex geben.

JEANNE: Neulich fragte mich eine Bekannte ganz verzweifelt, ob ich ihr vielleicht einen Tip gegen ihre ständigen Blasenentzündungen geben könnte! Die meisten denken ja, sowas kommt von kalten Füßen. Aber es kommt von der mangelnden Hygiene! Klar, ein schwaches Immunsystem hat einen Einfluss. Aber bei diese Freundin war es, wie ich vermutet hatte: Sie hat mit ihrem festen Freund regelmäßig ungeschützten Sex – und zwar sowohl vaginal als auch anal. Natürlich ohne dass er sich zwischendurch den Schwanz wäscht – bei uns regeln wir das einfach mit einem vorsichtigen Kondomwechsel. Und dann ging sie nach dem Sex auch selten ins Bad, sondern schlief gleich ein, mit den Keimen im Scheidengang. Noch dazu hat ihr Freund einen sehr großen Schwanz, so dass sie sich wahrscheinlich oft innerlich verletzt, vor allem, wenn sie kein Gleitgel benutzt…

SALOMÉ: Boah, das ist typisch! Warum wissen die Leute das nicht? Überhaupt, diese ganzen Party-People, die Sex ohne Kondom haben. Und neuerdings grassieren längst vergessene Krankheiten wie Syphilis und Tripper in der Generation 60plus – der zweite Frühling ist nämlich gerade hip, was ja gut ist, aber Kondome haben die wahrscheinlich schon in ihrem ersten Frühling nicht benutzt.

JEANNE: Und die Jugendlichen schauen Amateur-Pornos im Netz, wo auch keine Kondome vorkommen, dafür aber Sex mit allen Stellungen, around the world. Sie wissen ja nicht, dass die Darsteller alle eine medizinische Darmreinigung, einen Aids-Test und noch diverse andere Vorbereitungen treffen müssen, damit so ein sogenannter „Amateur“- Porno entstehen kann…

SALOMÉ: Umso unverschämter, dass ausgerechnet unseresgleichen in der Geschichte immer wieder zu Zwangsuntersuchungen mussten, wie früher bei dem sogenannten „Bockschein“. Ach nach dem neuen „Prostituiertenschutzgesetz“ müssen wir alle zu einer Zwangsberatung, und zwar jedes Jahr!  Nicht, dass ich gegen eine flächendeckende Aufklärung wäre – aber warum fängt man gerade mit uns an, die wir am meisten darüber wissen? Man sollte einfach im Zuge dieses Gesetzes statt uns einfach alle Männer ab 16 verpflichten, jedes Jahr diese Beratung beim Gesundheitsamt zu machen. Und sich eine Bescheinigung ausstellen zu lassen, ohne die sie von Amts wegen keinen Sex haben dürfen. Auch nicht für Geld. Da wäre was los!

JEANNE: Sag mal, warst du eigentlich jemals wegen was Ernstem beim Gynäkologen?

SALOMÉ: Ja. Aber das war, bevor ich diesen Job hatte. Es war sogar, bevor ich überhaupt mit dem Sex angefangen habe.

JEANNE: Erzähl.

SALOMÉ: Du musst wissen, bis ich 20 war, war ich der festen Überzeugung, dass ich mich niemals im Leben mit Sex abgeben werde. Ich redete mir ein, er sei etwas Dummes und Tierisches, und einem der Kontemplation geweihten Wesen wie mir unwürdig. Der wahre Grund für diese Überspanntheit war ein traumatischer Besuch bei einer Frauenärztin. Eine Routine-Untersuchung, die aber so schmerzhaft war, dass ich schrie. Ärztinnen sind oft gröber als männliche Gynäkologen, die haben irgendwie mehr Respekt. Die Ärztin sagte mir hinterher, ich sei zu eng, und solle mich vor dem ersten Mal unbedingt „durchstechen“ lassen. Daher mein Beschluss, Sex einfach kategorisch auszuschließen.

JEANNE: Und dann?

SALOMÉ: Dann kam ich an die Uni, und lauter intelligente, sexy Typen, die ein bisschen rochen, machten mir Komplimente… und ich dachte, es ist ja ein paar Jahre her, diese Untersuchung, und vielleicht geht es… Aber es ging nicht. Ich war wirklich zu eng gebaut, wie mir ein anderer Arzt sagte. So eng wie eine 12-jährige – das gibt es. Es nennt sich Vaginitis, und hängt auch mit einem unbewussten Verkrampfen und Verhärten der Scheidenmuskeln zusammen – vielleicht sogar durch so ein Trauma.

JEANNE: Und was hat er dann mit dir gemacht?

Jeanne und Salomé reden über Sex

SALOMÉ: Das Ganze nannte sich „stumpfe Dehnung“, dauerte 3 Tage und geschah unter Vollnarkose im KrankenhauSALOMÉ Hinterher kam es vor allem darauf an, dass ich begreife, dass da ein Eingang in meinen Körper ist, und es ungefährlich ist. Ich habe ja nicht mal Mini-Tampons getragen bis ich 20 war. Und dann musste ich einen mit Salbe getränkten Tampon mit dem Durchmesser eines Penis aus mir herausziehen – ich habe mich furchtbar angestellt. Und es tat auch immer noch weh am Anfang mit dem Sex, aber der Arzt hat mir gesagt, ich muss das üben. Denn sonst hätte es nur noch die Alternative gegeben, zu schneiden, also einen richtigen chirurgischen Eingriff.

JEANNE: Das heißt, dein Job als Escort hat für dich eine medizinische Indikation?

SALOMÉ: Im Prinzip sogar das! Aber ich habe auch rausgefunden, dass Sex mir dank meiner Enge großen Spaß macht. Ich habe dabei dauernd vaginale Orgasmen, weil der Penis richtig im „Futteral“ fest steckt und das ganze Gewebe in meinem Unterleib hin und her gezogen wird. Nur wenn er zu groß ist, brauche ich ein bisschen Zeit, und viel Gel.

JEANNE: Wie reagiert heute dein Arzt, wenn er von deinem Job erfährt? Für mich war das nämlich ein Riesenproblem.

SALOMÉ: Ich habe Glück, mein jetziger Arzt ist aus der DDR und hat keine religiösen Vorurteile. Es ist ihm egal, wie oft ich Sex habe und unter welchen Umständen, solange ich Kondome benutze und auf mich achte.

JEANNE: Hast du von der Aktion „Roter Stöckelschuh“ gehört? Das ist so ein Aufkleber an der Tür von gynäkologischen Praxen. Er soll signalisieren, dass sie tolerant sind gegenüber Prostituierten.

SALOMÉ: Wie bitte, dafür braucht man extra einen Aufkleber? Ich dachte, Ärzte müssen alle Patienten gleich behandeln?

JEANNE: Naja, offenbar wollen sie mit diesem Aufkleber umgekehrt Prostituierte ermuntern, ihre Praxis zu besuchen, weil sich viele sonst nicht trauen, aus Angst sich zu outen. Sie sind scheinbar überzeugt, der Arzt würde das bei der Untersuchung merken. Viele arbeiten außerdem illegal…

SALOMÉ: Das ist für mich eine andere Welt. Aber wie erfahren denn diese Frauen von den Aufklebern mit dem roten Stöckelschuh? Dafür müssten sie ja schon vor der Tür der Praxis stehen. Gibt es sowas wie ein Online-Register?

JEANNE: Ja, auf der Website des Berufsverbands BesD – aber leider wollen viele Praxen dort nicht gelistet werden, aus Angst, andere Kunden zu verschrecken, wenn man sie googelt…

SALOMÉ: Stigma ist offenbar ansteckend. Aber trotzdem ist es wichtig, zum Arzt zu gehen. Man muss sich doch deshalb nicht gleich outen. Dem Arzt kann doch egal sein, wie man sein Geld verdient, und ob man nun häufigen Sex von Berufs wegen hat oder einfach aus Vergnügen. Es ist auch nicht so, dass man einer Vagina ansieht, wie oft du Sex hast, oder wie lange es her ist.

JEANNE: Ja, von wegen, Frauen würden bei häufigem Sex „ausleiern“…

SALOMÉ: Pff, solchen Oberschüler-Sprüchen kann man nur entgegenhalten, dass ja auch der Penis nicht vom häufigen Sex immer kleiner und schmaler wird. Er ist ja kein Radiergummi!

 

Jeanne und Salomé reden über Sex

 

Zum Escort-Service von Salomé…

 

© HETAERA BERLIN, 2017

 

4 Comments

  1. Raimar von Wienskowski

    Liebe Salomé,
    vermutlich eignet sich ja die von Dir erwähnte Waschlotion mit natürlichen Kräutern auch für den Mann. Magst Du mir den Namen des Produkt verraten und wo man ihn beziehen kann.
    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Raimar

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  2. Salomé

    Lieber Raimar,

    nein, natürlich eignet sich ein Produkt für den weiblichen Intimbereich nicht für Männer – der ph-Wert der Vagina ist viel saurer als der des Penis oder des Spermas, der eher basisch ist! Am besten, Sie fragen in der Apotheke.

    PS Der Grund für den sauren ph-Wert der Vagina ist, ja gerade, dass diese kleine „Chemiewaffe“ sich nach Kräften dagegen wehrt, befruchtet zu werden. Sie tötet das Sperma ab, so gut sich kann. Schützen Sie sich also immer mit einem Kondom! 😉

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  3. Charlie

    Hallo Salomé,

    vielen Dank für den Einblick in das Sexpertentum! Könntest du die von dir verwendeten Produkte hier noch ganz kurz bewerben 😉 Die Ladys unter uns freuen sich…

    Liebe Grüße,
    Charlie

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    • Salomé

      Gerne! Die Waschlotion ist von „Sagella“, gibt es in der Apotheke. Die Creme heißt „Linola Fett“, und ist auch als Arzneimittel rezeptfrei in jeder Apotheke zu haben.
      Außerdem hilft es, Cranberry-Saft zu trinken. 🙂

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